Carpet Patrol – Vom Teppich die Krümel

24.03.2014
Foto:Thomas von Wittich / © hhv.de mag
Als Carpet Patrol tun sich mit Torky Tork und Suff Daddy zwei alte Bekannte zusammen. Zunächst ging es um das gemeinsame Abhängen, später entstanden zwischen GTA und MPC auch Beats.

Als Carpet Patrol tun sich mit Torky Tork und Suff Daddy zwei alte Bekannte zusammen. Zunächst ging es vor allem ums gemeinsame Abhängen, später entstanden zwischen GTA und MPC Beats, die abgründiger, experimenteller und düsterer daher kommen, als das meiste, was die beiden bisher veröffentlicht haben. Wir haben uns gefragt, woher sich dieser neue Sound speist und haben zwei Digger getroffen, die dieses Mal genau genommen gar nicht diggen waren.

hhv.de mag: Was für eine Rolle hat das Diggen bei diesem Projekt gespielt?
Suff Daddy: Ich hab für Carpet Patrol überhaupt nicht gediggt, weil wir quasi nur die ganzen Samples, die Torky Tork noch auf seiner MPC hatte, durchgegangen sind. Insofern hat Torky im Vorfeld gediggt. Oder, Torky?
Torky Tork: Ja, eigentlich schon.

Dabei seid ihr normalerweise ja beide Digger…
Suff Daddy: Wir sind schon Digger. Bei mir ist das nur auch schon sehr elektronisch geworden, d.h. ich sample auch viel MP3s oder Filme, YouTube, was weiß ich. Mir ist das völlig Wurscht. Ich bin jetzt nicht so der absolute Vinyl-Fetischist. Bei mir ist das so: Wenn ich irgendwo etwas höre, dann sample ich direkt, egal woher das kommt. Dann muss ich das nicht erst auf Platte suchen. Auf der anderen Seite habe ich auch tausend Schallplatten zu Hause und kaufe auch gerne Schallplatten. Aber Torky ist auf jeden Fall der Digger. Torky, du gehst doch auch andauernd auf Flohmärkte und in Läden…
Torky Tork: …ich habe halt auch nicht mehr so viel Zeit. Früher war ich jeden Samstag und Sonntag diggen. Aber ich habe immer so einen Stapel von Platten, die ich noch nicht durchgediggt habe – das muss ich immer haben. Und wenn der schrumpft, dann zieh ich los und besorg mir irgendetwas. Denn immer wenn ich Bock habe, Beats zu machen, dann muss so ein Stapel da sein, den ich notfalls durchdiggen kann.
Suff Daddy: Irgendetwas was noch nicht ausgelutscht ist.
Torky Tork: Genau.

Dann geht es ja auch darum, dorthin zu gehen, wo noch nicht vorselektiert wurde, oder?
Torky Tork: Deswegen gehe ich in Läden, wo alles durcheinander steht, wo der letzte Ramsch steht und versuche dort etwas zu finden. Nicht, weil ich geizig bin, sondern weil mich das interessiert, dort zu diggen, wo man nichts erwartet. Ich hab so schlimme Platten zu Hause… man greift natürlich auch ins Klo, aber es passiert genauso oft, dass man halt auf einer beschissenen deutschen Rockplatte, die so nach Country aussieht, das fetteste Sample findet.

Kannst du dich an die letzte Billigplatte erinnern, wo was richtig fettes drauf war?
Torky Tork: Da gibt’s einiges… zum Beispiel so ein Typ, der heißt Bender, also eigentlich will ich auch nicht meine Samples verraten, aber: Das sieht so richtig nach bayerischer Motorrad-Rock-Scheiße aus, die irgendwie in Richtung Country geht. Und da ist dann ein Sample drauf, das ist einfach krass!

»Auf dem Teppich noch nach den letzten Krümeln gesucht, die übrig geblieben sind.« (Suff Daddy)

Lasst uns noch mal über die »Library« reden, mit der ihr jetzt die Platte gemacht habt. Suff Daddymeinte ja schon, dass ihr quasi ins eigene Archiv zurückgegangen seid…
Torky Tork: Ich hab eine Festplatte bei mir in der MPC eingebaut. Ich hab keine Karten oder so was, sondern die ist eingebaut in der MPC. Immer wenn ich einen Beat machen will, nutze ich eigentlich die ganzen 12 Minuten aus, die ich habe bei der MPC-1000. Am Ende habe ich dann – sagen wir mal – 10 Minuten Samples. Und daraus mache ich am Ende drei oder vier Beats. Da bleiben aber noch ganz viele Sachen übrig, die ich einfach nie benutzt habe. Und diesen ganzen Reste haben wir eigentlich genommen.

Das, was sich über die Jahre quasi abgelagert hat?
Suff Daddy: Genau. Deswegen passt das auch so schön zu dem Namen Carpet Patrol: Auf dem Teppich noch nach den letzten Krümeln suchen, die übrig geblieben sind…

Hat das was befreiendes, damit zu arbeiten, weil man da nicht den höchsten Anspruch stellt?
Suff Daddy: Genau, es war auch nie unser Anspruch daraus Beats zu machen, sondern das ist ja einfach so entstanden, ohne dass wir uns da irgend etwas vorgenommen hätten. Wir haben halt auch viel krankes Zeug genommen, irgendwelche japanischen Soundtracks, die der Torky gesamplet hatte.

Könnt ihr euch an den Moment erinnern, wo ihr gemerkt habt: Jetzt ist es kein Abhängen mehr, jetzt wird es Arbeit?
Suff Daddy: Es wurde Arbeit, als wir so sieben Lieder zusammen hatten und wir gesagt haben: Alter, das ist doch voll geil, was wir hier haben, lass doch eine Platte draus machen. Aber nicht negativ, sondern positiv.
Torky Tork: Ich persönlich habe noch nie so schnell eine Platte gemacht. Naja, ich habe einmal eine Platte in drei Tagen gemacht, aber ich glaube, ich habe noch nie so schnell so eine gute Platte gemacht. In drei Monaten das Ding: das war schon ziemlich befreiend, irgendwie angenehm. Da gab es eigentlich keine nervige Phase in diesem Projekt.
Suff Daddy: Es war eben auch nicht so, dass man es selbst schon so oft gehört hätte, dass man gelangweilt wäre. Dazu war die Zeit zu kurz. Es gab einfach null Konzept, gar nichts.

Wie geht es jetzt damit weiter?
Suff Daddy: Jetzt gehen wir erst mal Ende April und Anfang Mai auf eine kleine Tour. Dann fangen wir im Sommer wieder an und dann wird wahrscheinlich wieder etwas neues entstehen, was dann vielleicht nächstes Jahr oder so veröffentlicht werden könnte.
Torky Tork: Suff macht jetzt noch die Betty Ford Boys-Geschichte und ich mache die neue Platte von Audio 88 & Yassin. Die kommt dann im Herbst. Und es gibt noch tausend andere Sachen. Ein extrem spannendes Jahr.

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