Eric Lau – Ode an Detroit

29.10.2012
Foto:Malte Seidel
Unter den britischen Beatmakern ist Eric Lau vielleicht einer der vielfältigsten – einer, der im Boom-Bap genauso zu Hause ist wie im Neo Soul. Wir sprachen mit ihm über Beatmaking, die Leidenschaft für Sounds und seine Verehrung für Dilla.

Unter den britischen Beatmakern ist Eric Lau vielleicht einer der vielfältigsten, einer, der im Boom-Bap genauso zu Hause ist wie im Neo Soul. Seine Veröffentlichungen sind von einer Neugier und Offenheit geprägt, seine Leidenschaft gilt der Detailarbeit an den Sounds. Mit »Makin’ Sounds« hat er diese Arbeit in einer vom Soul inspirierten Instrumentalplatte offen gelegt. Und während sein erstes Studioalbum »New Territories« den Bogen von seiner britischen Heimat zu seinen Hong Konger Wurzeln geschlagen hat, ist die Anfang des Jahres veröffentlichte EP »The Mission«, zusammen mit Guilty Simpson, erneut seiner großen Inspiration Detroit gewidmet. Während Eric Lau derweil an seinem zweiten Studioalbum feilt, haben wir mit ihm über Beatmaking und seine Verehrung für J Dilla gesprochen.

hhv.de mag: Als du vor zwei Jahren die 12” »Makin’ Sounds« veröffentlicht hast, konnte man dir quasi bei der Arbeit über die Schulter gucken. Das Instrumentalalbum featuret Beats und Samples in einem relativ frühen Produktionsstadium. Siehst du diese Arbeiten als Neuinterpretationen der – v,a, aus dem Soul – stammenden Samples an?
Eric Lau: Für mich war »Makin’ Sounds« eine Sammlung von Übungen. Es ist so wie beim Kochen: Die Quellen der Sounds sind wie unterschiedliche Zutaten, die ich wähle und zusammen gebe, um eine eigene Sache zu kreieren.

Also verweist das Ergebnis nur noch entfernt auf den originalen Sound?
Eric Lau: Du kannst einen Apfelstrudel machen, aber am Ende machst du eben nur deinen Apfelstrudel. Es kommt auf die Gewürze an, wie du ihn bäckst, wie lange, wie viel Zimt du nimmst und so weiter. Genau so ist es mit dem Sampling. Und damit meine ich weniger das Schneiden und Loopen, sondern vielmehr was akustisch mit dem Sound passiert. Dabei geht es nicht nur darum, den Sound linear zu verändern, sondern auch um Pitch und Tuning, um Frequenzen, wie weit du dich z.B. von der westlichen Klavierstimmung entfernst.

Wo beginnst du mit einer Produktion? Du findest ein paar Samples, die dich interessieren und entwickelst daraus etwas Neues?
Eric Lau: Das kommt ganz drauf an. Manchmal beginne ich auch mit dem Programmieren der Drums oder es gibt eine konkrete Songidee und ich suche nach Sounds, die diesem Song gerecht werden. Bei »Makin’ Sounds« kann man mir genau bei diesem Lernprozess zugucken.

»Bei Dilla’s Tracks hingegen war ich einfach verblüfft: Wie macht er das? Wenn man bereit ist, das zu studieren, kann man diese Magie in seiner eigenen Arbeit einfangen.« (Eric Lau)

Es ist ziemlich großartig, dass du das teilst. Oft geht es in der Kunst ja darum, die harte Arbeit zu kaschieren, die eigentlich hinter einem Werk steckt.
Eric Lau: Ich glaube am Ende geht es darum, etwas zu teilen. Ich habe keine Geheimnisse, ich teile immer mein Wissen, es gibt nichts, was ich dir nicht sagen würde. Wenn es dazu führt, dass andere Menschen ihre Träume und die Realität interpretieren können, ist ein bisschen mehr Freude in der Welt, das ist meine Philosophie.

Wie sehr prägen die Geräte, wie die MPC mit der du arbeitest, oder die Software, die du benutzt, deinen Sound?
Eric Lau: Ableton, Logic, Fruit Loops, Pro Tools, was auch immer – du kannst mir irgendwas geben und ich würde immer noch meine Musik machen und einfach ich sein.

Es sind also schlicht Werkzeuge, die austauschbar sind?
Eric Lau: Ich denke schon, dass sie den Sound von so manchem prägen können, aber in meinem speziellen Fall glaube ich das kaum. Ich versuche immer so live wie möglich zu arbeiten und die Dinge so zu programmieren, wie ich sie sehe. Die Werkzeuge sind dabei hilfreich, aber nicht bestimmend. Du kannst mir auch ein Casio Keyboard geben und ich würde immer noch die selbe Art von Musik machen.

Denkst du, dass es eine Art Skelett hinter jeder Idee gibt, die sich stets erhält, auch wenn man die Parameter ihrer Gestaltung verändert?
Eric Lau: Ich denke schon, wobei ich auch glaube, dass der Schlüssel zu einem eigenen Style die Sounds sind. Viele Menschen verbringen nicht so viel Zeit mit ihnen. Ich verbringe sehr viel Zeit damit: Ich arbeite stundenlang nur an einer Snare, um zu lernen wo die Sweet Spots sind, um das richtige EQing und die richtige Kompression zu finden. Und genau das haben viele der Großen gemacht. Ich meine, J Dilla hat es quasi zur Meisterschaft gebracht. Er hat es so verinnerlicht, dass er immer wieder machen konnte und das konnten nicht viele. Es sind nicht nur seine Kompositionen, es ist vielmehr sein Sound.

Wo du gerade J Dilla ansprichst. Detroit scheint dich nachhaltig beeinflusst zu haben. Mit »For The D« hast du mit Guilty Simpson ja quasi eine Hymne an die Stadt veröffentlich und mit der EP »The Mission« deine Arbeit mit ihm gerade fortgesetzt
Eric Lau: Ich habe viel East Coast und West Coast Hip Hop gehört, nur konnte ich mir da immer vorstellen, wie diese Tracks produziert worden sind, es war immer sehr transparent. Bei Dillas Tracks hingegen war ich einfach verblüfft: Wie macht er das? Wenn man bereit ist, das zu studieren, kann man diese Magie in seiner eigenen Arbeit einfangen. Und das habe ich in den letzten Jahren versucht. Wenn du Skills in einem bestimmten Bereich lernen willst, guckst du doch immer nach denen, die es am Besten können. Und wenn du nach Detroit guckst, siehst du, dass sie alle von J Dilla gelernt haben – auf eine gute Art.

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