Manche Alben hört man – andere betritt man. So auch S. Fidelitys neues Album I Guess I’ll Never Learn, das programmatisch dazu einlädt, in die Welt eines Künstlers einzutauchen, den man unbedingt kennenlernen sollte. Der in der Schweiz geborene DJ und Produzent, der seit vielen Jahren in Berlin lebt, setzt auf Kollaboration und öffnet mit seiner Musik Räume, in die man sich hineinlegen möchte. S. Fidelity, bürgerlich Tim Wetter, bringt dabei R’n’B, Soul und Hip-Hop zusammen und findet einen roten Faden, der all diese Genres durchzieht: ein Gefühl von schwebender Intimität und leiser, sinnlicher Melancholie.
»Der fließende Aufbau war von Anfang an Teil der Idee. Die drei Akte des Albums sind als Erzählungen angelegt, die unterschiedliche Stimmungen miteinander verweben«, beschreibt es Wetter und erklärt weiter: »So entsteht eine Reise, bei der die einzelnen Songs eine zusätzliche Bedeutung bekommen, wenn man sie am Stück hört.«
Drei Akte, ein Zustand
Schon bei S. Fidelitys früheren Releases ist genau das spürbar: Er denkt in Stimmungen statt in einzelnen Tracks – eine Denkweise, die stark aus seiner Praxis als DJ und seiner Affinität zu Mixlogiken kommt. Bereits mit 13 beginnt Wetter aufzulegen, und auch seine Alben folgen diesem Zugang: ein fein austarierter Flow, der dazu einlädt, sich von Stimmung zu Genre zu Zustand treiben zu lassen.

I Guess I'll Never Learn

Fidelity Radio Club

A Safe Place To Be Naked

365 P
Auffällig ist sein konsequent kollaborativer Ansatz. I Guess I’ll Never Learn versammelt Stimmen von Collard, Dawn Richard, Jerome Thomas oder Wandl (u. a.) und spiegelt damit das vielfältige musikalische Umfeld, in dem sich Wetter bewegt. »Meine Songs entstehen immer gemeinsam mit den Sänger:innen im Raum«, betont er und ergänzt: »Ich versuche es zu vermeiden, Musik zu einem klaren Verwendungszweck zu kreieren.« Stattdessen entsteht Musik im offenen Austausch.
Gerade darin liegt für ihn die eigentliche Stärke: »Wir arbeiten frei an den Songs und plötzlich merkt man im Nachhinein, dass ein Song eigenwillig ist, im Kopf bleibt oder ein fehlendes Puzzlestück für ein Projekt sein könnte.« Am Ende zeigt sich darin ein Künstler, der Räume schafft, statt sie zu erklären, und genau darin seine Stärke findet.
