IZCO heißt dich im Hackney von gestern, heute und morgen willkommen

20.04.2026
Foto: Melissa Gardner / Brownswood

Musikalisch ist schon immer viel losgewesen im Stadtbezirk im Nordosten Londons. Man hört die letzten 40 Jahre in der Musik von IZCO. Dabei ist er gerade mal 26.

IZCOs Geschichte beginnt ohne ihn. Im Hackney der 80er und 90er. Damals erobern die Pirate-Radio-Stationen des East Londoner Stadtteils die Frequenzen und an jeder Straßenecke schallte es aus einem Soundsystem: Jungle, Broken Beat, Reggae, UK-Garage.

Und obwohl Izzy Cofie alias IZCO erst in den 2010ern dort Jugendlicher und damit bewusster Betrachter des Geschehens ist, durchzieht der Sound des Viertels vor dessen Gentrifizierung die Musik des Producers. Die federnden Grooves, versetzten Claps, die schiebenden Basslines: IZCOs Sound ist Hackney, durch und durch.

»Ich liebe all diese Genres, aber ich könnte mich nie für eines entscheiden«, erzählt der heute 26-Jährige in einem Video‑Call. »Und so sehr ich mir auch wünschte, ich hätte sie alle in ihrer Blütezeit erleben können, finde ich es letztlich doch schön, dass ich sie alle wertschätzen kann. Und ich muss nicht Teil von einem davon sein.«

Von Nachbarn zu Novelist

Ein Computer mit GarageBand legt den Grundstein. Mit elf Jahren beginnt IZCO, Beats zu bauen. Es gibt genügend rappende Nachbarskinder, die ein Instrumental gebrauchen können. Und natürlich gibt es Soundcloud – 2011 durchaus noch eine Plattform, auf der man entdeckt werden konnte.

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Doch IZCOs Weg sollte sich anders weiterentwickeln. Klassischer. Er lernt an der ELAM, einem Sixth-Form-College für Musik. »Als ich zuerst an eine andere Uni gegangen bin und dann ziemlich schnell wieder abgebrochen habe, dachte ich mir: ›Ne, ich muss Musik studieren. Was mache ich hier eigentlich?‹«

Und so dauert es nicht lange, bis aus Nachbarskindern bekannte Künstler*innen werden. Früh arbeitete er mit Artists wie Capo Lee, Novelist oder Reek0 zusammen, bevor seine Produktionen schließlich auch in anderen Kontexten auftauchen: Für PinkPantheress’ Passion steuert er seine poppigsten Produktionen bis dato bei, mit Legende Bob Andy macht er Reggae. 

A Hackney thing

Und natürlich führen ihn seine Produktionen auch in den Club. Literally.  Seine ersten Berührungen mit Clubkultur machte IZCO nicht etwa, weil er tanzen gehen wollte: »Bei meinem ersten Clubbesuch habe ich aufgelegt.« 

Tanzen wollen die anderen. Zu seinen Songs. So lernt IZCO in Echtzeit, was seine Musik mit Menschen und Körpern macht. Eine sechsjährige Residency bei Rinse FM und Releases wie die EP Tek 5 machen ihn in der Folge schnell zu einem festen Namen in der UK-Underground-Szene. Heute tourt er mit Nia Archives durch Europa, Asien und Australien oder zuletzt mit All-Night-Long-Sets durch die Clublandschaft Großbritanniens. 

Dabei arbeitet IZCO selten allein. Aus Jugendfreundschaften und frühen Kollaborationen wurde irgendwann Brighter Days Family, ein Kollektiv, das sich irgendwo zwischen Freundesgruppe, Partyreihe und Label bewegt. Erst die Vibes, dann das Business. Erst im vergangenen Jahr erschien das erste gemeinsame Album Audio Sunrise.

»Bei meinem ersten Clubbesuch habe ich aufgelegt.« 

IZCO

Mit seinem ersten Solo-Album Powerscroft, benannt nach der Straße, in der er aufwuchs, fasst IZCO nun all dies zusammen: Community, Identität, Kontinuität und Intuition. »Die Songs passen zu meiner Persönlichkeit«, sagt er selbst über die Titelwahl. »Ich habe andere Songs, die klarer, prägnanter und vielleicht auch ausgefeilter sind, aber diese Songs fühlen sich mehr wie ich an. Für das erste Album hat sich das richtig angefühlt.« Viele der Stimmen auf Powerscroft kommen zwar aus dem BDF-Kontext, erscheinen wird das Album jedoch beim renommierten Label Brownswood, wo sich IZCO in eine Tradition mit seinen Vorbildern wie Swindle und Mala einreiht. 

Und natürlich ist Hackney da. Auf Powerscroft gelingt es IZCO sein Viertel nicht als Mythos der 1990er herumgeistern zu lassen, sondern diesen Sound weiterzuentwickeln. Die musikalische Geschichte Hackneys – heute kann sie nicht mehr ohne IZCO erzählt werden.

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