Mit ihrer Platte Kinetic von 2025 folgen Black Flower der Vorgabe, sich Wandel als maßgebend zu nehmen. »Wenn du feststeckst, muss sich was bewegen, körperlich oder mental, damit man wieder in einen gesünderen Zustand findet«, so Saxophonist Nathan Daems. Der Geist setzt den Körper in Bewegung – und umgekehrt. Diese Bewegung lässt sich hören. Und ist der Beginn dieser Band.

Motions

Kinetic

Magma Black Vinyl Edition

Future Flora
Vor mehr als zehn Jahren starteten die Belgier auf Abyssinia Afterlife mit einem Sound, der sich aus dem Ethio Jazz speist. Diese Form des Jazz verbindet seit den 1950ern Einflüsse traditionell äthiopischer Musik mit Hard Bop und Modal Jazz.
Im Westen bekannt wurde das Genre durch einen Film des US-Regisseurs Jim Jarmusch: Das windschiefe wie melancholische Road-Movie »Broken Flowers« wird getragen von den Songs Mulatu Astatkes, dem Urvater des Ethio Jazz.
Es kann gar nicht weit genug gehen
Für Nathan Daems war dieser Sound ein willkommener Zugang für künstlerische Erneuerung.
Daems studierte einst Saxofon an einem Jazzkonservatorium. Er fand dort weder das Windschiefe, noch die Melancholie, noch den Groove, in dem sich beides vereint. Die Jazz-Combos, in denen er spielte, bedienten nichts davon. Dann entdeckte er Ethio Jazz. »Und ich fand, wonach ich gesucht hatte.«
Um 2012 fanden sich Black Flower als Band. Mit der gehe es darum, »einen Weg zu finden, Musik für ein stehendes oder tanzendes Publikum zu machen, die trotzdem genügend emotionale Tiefe und das besitzt, was man vielleicht als orientalische Melancholie bezeichnen kann«. In ihrem ersten Set, bestehend aus Stücken von eben Mulatu Astatke, Budos Band und Getatchew Mekurya, eröffneten sie damals eine Jazz Jam-Session. »Als wir schließlich begannen, eigene Stücke zu schreiben, war Ethio Jazz zunächst unsere wichtigste Inspiration«, so Daems. »Wir wollten uns davon allerdings nie einschränken lassen.«


Ständige Entwicklung als Ordnung
Heute besteht die Band neben Daems aus Jon Birdsong am Kornett, Simon Segers an den Drums, Filip Vandebril am Bass und Karel Cuelenaere an den Tasten. In dem Sound ihres aktuellen Albums mischen sich Afrobeat, Psychedelic und Dub. Auf »Violet Drift« starten Black Flower aus einer ruhigen Haltung, bevor »Conundrums« mit einem unheimlichen Groove alles umgarnt. Die Essenz bleiben stets Ethio Jazz und westlicher Jazz, aber da ist so viel mehr: »Wir haben Stücke mit einem starken Einfluss von türkischer Musik oder Musik vom Balkan, selbst von La Réunion, Kurdistan, Indien oder Brasilien«, sagt Daems.
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sei Jazz geprägt von einem klaren Set harmonischer und rhythmischer Ideen, so Daems. Die Grenzen wurden in den 60ern durchlässiger, weil weltweit der kulturelle Austausch zunahm. Der Sound änderte sich, die Essenz blieb. Improvisation und die Offenheit, »äußere Einflüsse in eine sich ständig weiterentwickelnde musikalische Sprache aufzunehmen«.
»Die Natur tut, was sie tut, weil sie ist, was sie ist. Sie versucht nicht, etwas anderes zu sein. Und was setzt die Natur in Bewegung? Sie selbst.«
Nathan Daems
»Die Presse kann uns Labels wie Ethio Jazz verpassen, was gut ist, weil es Leute auf uns aufmerksam macht, aber tief in uns wissen wir, dass diese Labels nur Fiktion sind.« Bei Black Flower formt sich diese Einstellung nie zu einer der Welt enthobenen Spiritualität. Vielmehr ist diese Geisteshaltung das ordnende Prinzip für die Belgier.
Was ist der Antrieb dafür? »Die Natur tut, was sie tut, weil sie ist, was sie ist. Sie versucht nicht, etwas anderes zu sein. Und was setzt die Natur in Bewegung? Sie selbst«, sagt Daems. »Übertragen auf mich persönlich wären meine Antworten wohl: Positivität, Inspiration und das Bedürfnis nach Schönheit.« Dorthin gibt es nur einen Weg: immer einen neuen zu nehmen.
