They Hate Change wissen, dass es jetzt zählt

10.05.2022
Foto:Tyree Anderson © Jagjaguwar
Seit knapp 13 Jahren machen Vonne Parks und Andre Gainey als They Hate Change Musik. Nun ist ihr Albumdebüt »Finally, New« erschienen. Was macht das Rap-Duo aus Tampa Bay so besonders?

»Ich bin auf ihn zugegangen und habe versucht, ihm Gras zu verkaufen – verrückte Zeiten. Danach wurden wir Freunde«, erzählt Vonne lachend von seiner ersten Begegnung mit Dre. Die beiden lernten sich kennen, als Vonne mit 15 in denselben Wohnkomplex zog. Doch nicht beide wussten gleichermaßen früh, dass sie später einmal die Musik zu ihrem Beruf machen wollen. Während Vonne sich bereits mit 15 sicher war, dass er Rapper*in werden wollte und ganze Discographien von Wu-Tang und Jay-Z durchhörte, berichtet Dre von seinen Plänen BMX-Fahrer, Chefkoch und Programmierer zu werden.

Ihren Sound beschreiben die beiden Künstler*innen als »hybrid« und vielfältig. Das Rap-Duo lässt sich von verschiedenen Bereichen und Musikstilen inspirieren und versucht, unterschiedliche Genres zusammenzuführen. Auf die Frage, welche Musik sie gerne privat hören, antwortet Dre nur lachend mit »Wie viel Zeit hast du?«.

Weniger kann mehr sein

Mit 21 hatten Vonne und Dre ihren ersten Auftritt im Sunny Fluff Skateshop in Tampa. Der Skateshop, der gleichzeitig eine Kunstgalerie war, gehörte einem gemeinsamen Freund, der die beiden bei einer Kunstausstellung als Opening Act buchte. »Wir hatten im Grunde nichts von der Ausrüstung, die wir heute benutzen. Wir spielten nur mit einem Laptop.«

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Mittlerweile ist das Rap-Duo 28 Jahre alt und auch ihre Musik veränderte sich im Laufe der Zeit. Ihr Sound wurde geradliniger und einfacher und die beiden reduzierten ihren Klang auf das Wesentliche. Nicht zuletzt auch beim Equipment. Dre erzählt davon, wie zu viel Equipment auch eine Einschränkung darstellen kann. »Manchmal sagen wir auch einfach Lassen wir all dieses zusätzliche Zeug weg und verwenden nur das. Ganz nach dem Motto Hey, wir brauchen das alles nicht, um eine großartige Platte zu machen.«

Der Glaube an den Erfolg

Mit wachsender Bekanntheit realisierten They Hate Change, dass die Musik mehr als nur eine Nebenbeschäftigung ist. »Wenn man anfängt, physische Kopien von Sachen zu sehen, dann ist es noch realer«, so Dre. Die beiden hatten jedoch nie Zweifel daran, eines Tages hauptberuflich Musik machen zu können. Im Gespräch berichtet Vonne davon, wie sie zwischen Musik und ihren Alltags-Jobs jonglierten. »Irgendwie haben wir immer gewusst, dass es funktionieren wird. Es war nur eine Frage der Zeit. Wir wussten, dass es länger braucht, als wenn wir Musik im Stil eines großen Labels machen würden. Wir arbeiteten in normalen Jobs und machten weiterhin nebenher Musik, bis diese von selbst lief.«

»Irgendwie haben wir immer gewusst, dass es funktionieren wird. Es war nur eine Frage der Zeit. Wir wussten, dass es länger braucht, als wenn wir Musik im Stil eines großen Labels machen würden.« (Vonne (They Hate Change))

Für ihren Sound lassen sich They Hate Change auch von der Musik großer deutscher Künstler wie Kraftwerk und Harmonia anregen. Letzteres stellte vor allem für ihr im Mai erscheinendes Album eine große Inspiration dar. »Wir stehen sehr auf Prog-Rock, das war eine der Hauptinspirationen für das Album«. Im Mai 2019 lernte Vonne auf einer Queer-Party den ebenfalls in Florida ansässigen DJ-Gay Z kennen. 2020 trafen sie den Künstler bei einer gemeinsamen Show wieder und wurden Freunde. Als die beiden ihren Track »From The Floor« aufnahmen, wussten sie schließlich das Gay-Z ihren Song mit seinem Stil vervollständigen würde.

The House that Jag built

Dass ihr Album nun auf dem US-Amerikanischen Label Jagjaguwar erscheinen soll, ist für die beiden unbeschreiblich. »Sie stellten sich uns mit ›Hey, wir sind Jag‹ vor und daraufhin sagten wir nur: ›Ja, wissen wir.‹ Dann haben wir ihnen unsere Platten von Künstlern gezeigt, die bei ihrem Label unter Vertrag sind. Das war sehr lustig«, erzählt Dre lachend von ihrer ersten Begegnung. Zu der gemeinsamen Zusammenarbeit kam es, als das Label eine EP des Duos hörte und zuerst dachte, dass die beiden bereits unter Vertrag stehen würden. Als sich herausstellte, dass dem nicht so war, kontaktierten sie Dre und Vonne und boten eine Zusammenarbeit an.

»Sie waren sehr nett zu uns und sind bereit, den Einsatz zu bringen, der für unseren Album-Release nötig ist. Wir sind keine virale Sensation, es ist also offensichtlich, dass wir etwas mehr Arbeit investieren müssen, um die Leute zu erreichen«. Die Frage wie die beiden selbst ihr neues Album beschreiben würden, beantwortet Dre knapp aber bestimmend mit den Worten: »Als ob die ganze Welt eine Bühne wäre, auf der genau das gespielt wird.«

They Hate Change
They Hate Change: Andre Gainey (links) und Vonne Parks (rechts).

Endlich, das Album

In der Zeit ihrer Albumproduktion gab es für die beiden jedoch auch Momente, in denen sie das Gefühl hatten, nicht weiterzukommen. Während Vonne und Dre den Song »Coded Language« innerhalb einer Stunde fertigstellten und dessen Lyrics via Sprachnotiz im Auto aufnahmen, bereitete ihnen »Breathing« größere Schwierigkeiten.

Die beiden Künstler*innen erzählen von der Herausforderung zwei unterschiedliche Stücke zu einem Song zu vereinen. »Seit September 2020 hatten wir zwei separate Beats und haben versucht, herauszufinden, wie wir sie zusammenfügen können. Wir wollten verschiedene Abschnitte und Bewegungen in den Tracks haben.« Dass ein Song fertig ist, wissen die beiden, sobald sie ihn exportieren. »Ein Song wird nicht exportiert, wenn wir das Gefühl haben, dass er nicht fertig ist. Oft wird er nicht einmal gespeichert.«

Für Dre und Vonne ist »Finally, New« das Album, dass sie immer machen wollten, und stellt eine Art endgültige Form ihrer zuvor aufgenommenen Stücke dar, welche ihnen erlaubt, den Leuten zu zeigen, dass sie wissen, was sie tun. »Es wird Leute geben«, sagt Dre, »die uns vielleicht zum ersten Mal hören. Es kann das erste Mal sein, es kann das letzte Mal sein. Jetzt zählt es.«