Abstrakte Improvisation und treibende Grooves – kann das zusammengehen? Zumindest dem Quartett Ahmed (arabisch: أحمد) um den britischen Pianisten Pat Thomas gelingt diese Zusammenführung auf bemerkenswerte Weise. Ihre ganz eigene Form des Free Jazz wird durch den Drive, den die vier Stücke entwickeln, keineswegs stromlinienförmiger oder anderweitig geglättet. Vielmehr stecken die Tracks voller produktiver Abzweigungen und vergnügtem Chaos.
Das liegt wohl nicht zuletzt daran, dass Saxophonist Seymour Wright, Bassist Joel Grip und der in Paris beheimatete Schlagzeuger Antonin Gerbal verschiedenste musikalische Sozialisationen in das gemeinsame Projekt einbringen: von klassischen Jazz-Momenten à la Duke Ellington über Dub oder Elektronik bis hin zu einem Improvisationsverständnis, wie es der Avantgarde-Musiker Derek Bailey entwickelte.
Dass in den freigeistigen Shapeshifter-Tracks unterschiedlichste Einflüsse aufblitzen, passt zum offenen Schaffen des US-amerikanischen Jazzmusikers Ahmed Abdul-Malik, nach dem sich die Band benannt hat. Schließlich war er ein Pionier dessen, was später Weltmusik genannt wurde. Seit den 1950er-Jahren hatte der einstige Kontrabassist von Art Blakey und Thelonious Monk Jazz mit arabischer Musik amalgamiert. Während auf den bisherigen drei Alben des Quartetts epische Interpretationen einzelner Stücke von Abdul-Malik zu finden waren, ist der Ansatz diesmal kompakter und fokussierter.

ماع [Sama'a] (Audition)


