Review

Abdur Razzaq & Rafiyq

The Night Of Power (Laylatu’l Qadri)

Séance Centre • 1983

Nie war der Name des Labels Séance Centre passender für eine seiner Veröffentlichungen. Für eine Nacht im Ramadan 1982 verwandeln zwei Typen ihr Heimstudio im beschaulichen Berlin, New Jersey, USA in ein Séance Centre und nehmen ihre einzige Platte auf. Sie heißen Dennis Matthews und Calvin Vivian und nennen sich Abdur Razzaq und Rafiyq. Der eine baut mit Fender Rhodes, Minimoog und Roland CR-78 ins Unendliche geloopte Soundscapes. Der andere schreibt Gedichte, die in der islamischen Lehre verwurzelt sind (ich weiß nicht, ob die beiden zum Islam konvertiert sind, oder ob es sich eher um ein allgemeines Interesse handelt, drum lasse ich das mal so stehen) und die sich mit der Bedrohung des kulturellen Verfalls durch Materialismus und neue Technologien befassen, auch zur De-Europäisierung aufrufen oder die Bewahrung der Welt für eine ungeborene Generation fordern.

In dieser Nacht im Jahr 1982 kommt nun alles zusammen, Klang und Poesie. Das Ganze wird dann ein Jahr später in kleiner Auflage auf dem Label Green Essence Records veröffentlicht. Was für ein Plot! »The Night of Power (Laylatu’l Qadri)« heißt die Platte, sowie das 32-minütige Kernstück, das auf Vinyl nach knapp 21 Minuten unterbrochen werden muss, und auf der B-Seite den Faden wieder aufnimmt. Es folgt noch das sechseinhalbminütige Instrumentalstück mit dem programmatischen Titel »Reflections from the Grave«. Insgesamt klingt die Platte wie eine dieser Sprachlernkassetten, die einem in den Neunzigern versprachen, eine ganze Sprache im Schlaf zu lernen. Ich bin aufgewacht und hatte keine Angst mehr vor dem Tod. Brillant!