Dass acht Jahre nach dem Tod von Jóhann Jóhannsson immer noch bislang unbekanntes Material des isländischen Komponisten veröffentlicht wird, ist schon bemerkenswert. Der Umgang mit seinem musikalischen Nachlass durch die Deutsche Grammophon wirkte dabei oft eher gewinnmaximierend-erzwungen als künstlerisch unbedingt erforderlich. Aber Adam Wiltzie ist als langjähriger Freund und Mitmusiker von Jóhannsson einerseits und als eine Hälfte des Drone-Duos Stars Of The Lid andererseits unverdächtig. Zumal es hier auch nicht um Remixe geht. Das Album basiert auf Aufnahmen, die gemeinsam entstanden – während der Sessions für Jóhannssons Soundtracks für The Theory Of Everything und Arrival. In einem mehrstufigen Prozess entstanden aus den Tape-Loops von damals neue Kompositionen. Erst mit Steve Albini (zwei Tote auf einem Album, Himmel!) und dann dem Budapest Art Orchestra.
Was Wiltzie nun als Friendship Survival Guide vorlegt, ist schon ziemlich sehr gut. Es stellt sich heraus, dass die musikalischen Welten der beiden Komponisten nicht nur große Parallelen aufweisen, sondern auch auf wunderbare Weise miteinander harmonieren. Das Elegische, das Weite, das Dunkle, das Verständnis für Sound: All das schmiegt sich wie von selbst aneinander – ohne Kitsch, dafür mit jeder Menge Tiefe. Ein Album, zu dem man schmachten kann, das aber auch zum Kampf aufruft. Würde Jóhannsson heute so klingen? Friendship Survival Guide tröstet darüber hinweg, dass wir das nie erfahren werden.

Friendship Survival Guide

