Review

Ancient Infinity Orchestra

River Of Light

Gondwana • 2023

Hauptmerkmal post-postmoderner Musikstile ist, wenn sie einmal aufgekommen sind, verschwinden sie nie wieder. Alles bleibt, alles wird recycelt. Interessant wird’s dann, wenn junge Musiker:innen alte Musik zeitgenössisch interpretieren. So wie das 14-köpfige Ancient Infinity Orchestra aus dem nordenglischen Leeds um Bandleader Ozzy Moysey. Ihr Thema ist der Spiritual Jazz, der seit ein paar Jahren vor allem durch Wiederveröffentlichungen von Platten aus den späten Sechzigern und frühen Siebzigern ein Revival feiert.

Die Musik auf dem Debütalbum »River Of Light« ist durch das flüssige Spiel der beiden Tenorsaxofonisten permanent in Bewegung. Violine, Cello, Harfe, Oboe, Flöte und die vielfarbige Percussion aber sind nicht bloße Ornamentierungen, sie sind wesentliche Faktoren, die diesem Jazz das Attribut »spiritual« verleihen. Auch das Ancient Infinity Orchestra steht nicht im referenzfreien Raum. Das Album erinnert an den John Coltrane der Spätphase, dessen enigmatische Musik sich immer weiter vom Jazz entfernt hat, seine Frau Alice und Pharoah Sanders, die sein Erbe fortgesetzt haben. Die drei werden folgerichtig im letzten Track auf dem Album »Pharoah Sings« genamedroppt.