Review

Angel Olsen

Forever Means

Jagjaguwar • 2023

Dass die vier Songs auf Angel Olsens neuer EP »Forever Means« ein Überbleibsel aus den Sessions zu ihrem Erfolgsalbum »Big Time« sein sollen, mag man auf den ersten Blick kaum glauben. Schon der Opener »Nothing’s Free«, in dem die US-Amerikanerin zu ruhigem Piano nur den Hauch einer Stimme einsetzt, ist musikalisch weit entfernt vom Americana, der ihr letztes Album auszeichnete. Stattdessen gibt es Saxophon und die Erkenntnis: Ein Jazz-Album würde Angel Olsen wohl auch gut zu Gesicht stehen. Was die knapp 16 Minuten aber eindeutig mit dem letzten Output der Sängerin verbindet, ist die unterschwellige, wohlige Wärme.

Denn auch wenn es im Opener noch heißt: »I’m broken«, singt sie wenig später im mit seiner Trompete etwas Grandeur ausstrahlenden »Time Bandits« schon: »The feeling takes over at first it’s surprising / But then I surrender no longer in hiding / I’m having a hard time not falling in love with / The heart of a moment the heart of a moment.« Wenn dann im abschließenden »Holding On« eine ambitionierte Rockballade mit E-Gitarren-Intermezzo wie Angel Olsens Frühwerk klingt und das Gefühl des Aufbruchs vermittelt, ist man vollends überzeugt, dass es kaum etwas Spannenderes geben kann, als auf den nächsten Schritt zu warten, den Angel Olsen gehen wird – egal ob vorwärts, rückwärts oder mit Schwung in eine Richtung, von der man gar nicht wusste, dass sie möglich ist.