Wiederholung, ungerade Takte, mikrotonale Skalen – das sind wohl die wesentlichen musikalischen Charakteristika des kanadischen Duos Angine de Poitrine, das darüber hinaus in drolligen Kostümen auftritt.
Klingt eigentlich eher anstrengend, ist es aber nur auf dem sprichwörtlichen Papier. »Sherpa«, der erste Track ihres ersten Albums Vol. 1 von 2024, das nun wieder aufgelegt wird, baut langsam um ein schlichtes Gitarren-Lick herum einen ekstatischen Brocken, der die Älteren an sogenannte Math-Rock-Bands der Nullerjahre und später erinnern mag: Battles, Hella, Don Caballero und natürlich deren Vorläufer wie Frank Zappa und King Crimson. Die zeigten allerdings deutlich weniger ungehemmte Freude am Musizieren, weniger Interesse daran, die krummen Metren in geradlinige Freude am Hüftschwung zu übersetzen. Auch der Umgang mit den relativ ungewohnten Tonleitern, die – wie in der türkischen und arabischen Musik – noch Töne zwischen den Halbtönen kennen, klang selten so selbstverständlich in einem Rockkontext. Was toll ist, mag es auch eine Gnade der späten Geburt sein. Tracks wie »Ababa Hotel« und »Sahardnieh« deuten an, wie das Konzept in verschiedene Richtungen weitergeführt werden kann. Die ganz sicher ungewöhnlichste Party-Platte des Jahres.

Vol. 1
