Im Jahr 1969 wurden »die kulturellen Barrieren, die Japans zahlreiche Künstler:innen und Entertainer:innen lange voneinander getrennt hatten, endlich beseitigt«, schrieb Julian Cope 2007 in seinem bisweilen zweifelhaften, aber doch essenziellen Japrocksampler. Das Jahr sei ein Wendepunkt gewesen und habe ein neues Zeitalter der Experimente eingeläutet, dessen Ergebnisse »unglaublich energiegeladene Werke hervorbrachten, von denen sich viele jeder Kategorisierung entzogen«. Far East New Rock Invention 1969–1975, veröffentlicht als Teil der Wamono-Reihe von 180g, dokumentiert die Genese dieser neuen Sounds.
Unter den neun Stücken finden sich bekanntere Vertreter wie die Far East Family Band, Yuya Uchida & The Flowers und deren Nachfolger, die Flower Travellin’ Band – hier in Kollaboration mit dem Terumasa Hino Quintett –, größtenteils stammen sie aus dem Katalog von Nippon Columbia. Viele der zugehörigen Alben wurden zuletzt neu aufgelegt. Die Zusammenstellung zielt offensichtlich darauf ab, diese lose Bewegung, die ihre Inspiration aus Hard- und Psych-Rock, Folk und gelegentlich der Avantgarde-Musik bezog, einem breiteren Publikum nahezubringen.
Doch auch die Heads können darunter Nuggets entdecken, beispielsweise Cuts des The-Dynamites-Mitglieds Hiroshi Segawa sowie Takeshi Inomata & Sound L.T.D.s rasender Jazz-Fusion-Freak-Out »Black Angel«. Far East New Rock Invention ist die Art von Compilation, die ihr Publikum dazu animieren will, tiefer zu diggen. Das lohnt sich ja.

Far East New Rock Invention 1969-1975