Review Folk Rock

Various Artists

Jon Savage’s SF Sike 1966-72

Caroline True • 2026

Der Pophistoriker Jon Savage versteht sich nicht nur auf spannende Bücher, sondern auch auf stimmige Compilations unterschiedlichster Klangkontexte. Nun schürft er ein weiteres Mal am musikalischen Geist einer Zeit, die Legendäres hervorgebracht hat: Savage leuchtet die Subkultur San Franciscos der späten 1960er- und frühen 1970er-Jahre aus, jenseits von Flower-Power-Klischees. Das Bild, das Savage zeichnet, klingt schrammeliger, grobkörniger, vor allem aber facettenreicher und verzweigter, als die glattpolierte Geschichtsschreibung nahelegt.

»Alabama Bound«, ursprünglich ein Folk-Traditional, wurde etwa 1966 von The Charlatans – gemeint ist die Psychedelic-Rock-Band, die ebenfalls diesen Namen trug – schon recht schleppend, geradezu trancehaft interpretiert. Trotzdem scheinen die Country-Wurzeln des Songs durch, etwa in Gestalt des schepperigen Honky-Tonk-Klaviers.

Moby Grapes emotionaler Track »Rose Colored Eyes« führte hingegen mäandernd-melancholisches Songwriting mit opulenten Streicher- und Bläserarrangements zusammen. Erschienen auf Wow, dem zweiten Album der Band, steht der Song für die Abkehr vom energetischen, geradlinigen Rock des Debüts. Komponiert und gesungen wurde er vom Bassisten Bob Mosley, der ein Jahr später zum Entsetzen seiner Bandkollegen zu den Marines ging, wo bei ihm eine Schizophrenie diagnostiziert wurde. Es ging auf mannigfaltige Art drunter und drüber im San Francisco jener Jahre, der Zeitgeist veränderte sich rasant – was die Compilation kurzweilig auf den Punkt bringt.