Beyoncé

Renaissance

Columbia • 2022

Viele fragen sich: Was passiert mit Hörgewohnheiten, was passiert mit Musik ganz allgemein, wenn die Algorithmen das Game steuern? Algorithmen, Algorithmen. Egal. Alles egal. Un-egal ist ja, welche Menschen mit welchem Ziel etwas tun bzw. eben programmieren. Der Charts-stürmende Algorithmus wird einer sein, der den aktuellen Vibe von Millionen von Menschen kennt, der weiß, welche Musik gerade gebraucht und gehört wird, der soziokulturell den Überpeil hat und die Menschen mit genau den richtigen Messages versorgt. Meet Beyoncé. Es braucht keine lernende Maschine für die Erschaffung von komplett entseelter Service-Kunst. Eine riesige Marke packt das auch. »Renaissance« ist die musikgewordene strategische Ableitung aus den Antworten auf die Fragen: Was beschäftigt die Menschen? Wie wollen sie sich fühlen? Mit welchen Dingen identifizieren sie sich? Das Album nimmt die Prämisse »Alle hatten eine Kackzeit« und begegnet ihr mit der kompletten Mood-/Buzzword-Klaviatur eindimensionaler Lifestyle-Influencer mit, schnauf, politischer Haltung. Corona ist vorbei, wir feiern endlich wieder. Schlussfolgerung: Subbass, 4/4-Takt und natürlich auch internationalere Tanzrhythmen, von wegen »man muss diversity und Herkunft signalisieren«. Dann ist da ja die ganze Sache mit Politik und so, die Viren, die blöden Krisen und alles, da hilft nur empowerment (»comfortable with my skin; cozy with who I am; I love myself, goddamn«), rebellische Gesten (»paint the world pussy pink«, »I’m in the mood to fuck something up«) und Memes (»dem Karens just turned into terrorists«). Darüber hinaus muss man weiterhin Nische behaupten, Ally-ship signalisieren, go queer or go home. Es produzieren hier Kelman Durant, Honey Dijon, Guilty Beatz unter Mastermind The-Dream. Beyoncé TM und ihr Album »Renaissance« bilden mit finaler Präzision die Prozesse des arschspäten Kapitalismus ab und an dem ist ja eben gerade das total Geile, das man zu ihm tanzen kann. Aber Ironie aside und in aller Aufrichtigkeit: Beyoncé hat einen ätzenden, penetranten, affektierten Gesangsstil, der perfekt zu diesem Produkt passt, dessen geschulte Gesten jeden Bruch und damit Raum für Wachstum bei den Rezipierenden unmöglich machen. Was von menschlicher Regung bleibt, ist das kurze Zucken beim Abdrücken des Aufnahme-Knopfes.

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Beyonce
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