Review

Bill Evans

Symbiosis

MPS Records • 2016

Selbst denen, die Jazz nur mit einem halben Ohr hören, wird Bill Evans ein Begriff sein. Eine Generation von Musikern wie Keith Jarrett, Brad Mehldau oder Herbie Hancock wurden von seinem Pianospiel inspiriert. Sein zwischen 1958 und 1961 bestehendes, erstes Trio mit Scott LaFaro und Paul Motion gilt als eines der einflussreichsten Jazztrios in der Geschichte des Genres. Bill Evans kontemplatives Klavierspiel gab Miles Davis’ »Kind Of Blue« die Gelassenheit, die wir heutzutage leichthin »cool« nennen. Evans, Sohn walisischer Einwanderer, weißes Mittelstandskind, saß mit sechs Jahren zum ersten Mal am Klavier, begann allerdings »erst« am College sich für afroamerikanische Musik zu interessieren. So schlugen zwei Herzen in seiner Brust: der Jazz und die klassische Musik. Lennie Tristano war ebenso ein Einfluss wie Claude Debussy. Das ist nicht unwichtig, um sein Spiel zu beschreiben. Und entscheidend um »Symbiosis« zu verstehen. Das Werk nahm Bill Evans im Jahre 1974 gemeinsam mit dem klassischen Komponisten Claus Ogerman für MPS Records auf – und wird genau dort jetzt wiederveröffentlicht. Ogerman und Evans hatten bereits 1966 für Verve ein Album eingespielt und auch in der Zwischenzeit kleinere Projekte miteinander verfolgt. Die beiden kannten sich also und finden schnell und flüssig auf »Symbiosis« zusammen. Unterstützung erhalten sie vom New York Philharmonic Orchestra, sowie vom Schlagzeuger Marty Morell und dem Bassisten Eddie Gomez, die 1974 Teil des Bill Evans Trio waren. Das Ergebnis klingt nach für Großbildleinwand komponierter Filmmusik und ist gleichzeitig von tiefer Besonnenheit. Zeitlos.

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Symbiosis
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