Eigentlich ist IDM bereits seit Jahren totgeschrieben. Was letztlich nur wieder zeigt, wie gerne Journalisten voneinander abschreiben. Denn mit IDM verhält es sich wie mit Elvis – er wird mit größter Regelmäßigkeit gesichtet. Und wie kann etwas tot sein, das in hoher Frequenz zitiert wird? Denn zuletzt wurde das gescholtene, peinlich weggeschobene Genre äußerst gefeiert in die Bassmusik eingeführt. Seit mindestens 2010 sorgt es dort für verträumte Stunden und die Aufweitung des einstigen Minimalismus zu großen Klangräumen. Schlussendlich waren Scuba und Burial die Wegbereiter dafür, Mount Kimbie und Sepalcure die erfolgreichen (wenn auch nicht immer überzeugenden) Fortführer. Die Spuren Burials findet man denn auch gehäuft auf dem neuen Album des Kanadiers Jesse Somfay. »Voidness« ist eine warme Klanglandschaft, voll weich federnder Rhythmusstrukturen, die auch mal drücken können. Eigentlich ist es aber Musik, die vor etlichen Jahren mal auf Labeln wie DIN, Trachanik, Toytronic und Warp veröffentlicht wurden. Aktuell übernehmen das Denovali und 12k. Beim Titel »Nightingale« kommen selbst die Future Sound Of London zum Einsatz. Nur die gepitchten Vocal-Schnipsel haben langsam den faden Geschmack einer andauernden Autotune-Wurzelbehandlung. Borealis definiert auf den 19 Titel die Musik zwar nicht neu, und mehr eigene Ideen hätten das Album bereichert. »Voidness« ist dennoch ein gut funktionierendes Wärmekissen für die kalten, kommenden Wintertage – inklusive Nebelbänken, Eisblumen und verhaltenen Sonnenstrahlen. Und Wärmekissen verkaufen sich auch in hundert Jahren noch gut, da seid euch sicher.
Elijah Minnelli
Ball & Socket
Accidental Meetings




