Review

Chastity Belt

Live Laugh Love

Suicide Squeeze • 2024

Live Laugh Love – ein ebenso populärer wie banaler Spruch, der längst nicht mehr nur die heimischen Wände allzu fröhlicher Menschen ziert, sondern seit einiger Zeit auch den Knöchel der Gitarristin Julia Shapiro (direkt über einem improvisierten Shrek). Man könnte es einen Gag nennen, wenn nicht hinter jedem Witz auch ein Funken Ernst stecken würde. Und so hüllt sich das neue Album »Live Laugh Love« des feministischen Musikkollektivs Chastity Belt in lässige Gitarrenklänge und unbeschwerte Melodien, während Selbstakzeptanz geübt und der Blick nach innen gerichtet wird. Zwischen den ironisch verpackten Texten, die während der Pandemie entstanden sind, blitzen immer wieder Momente der Isolation und Zuversicht auf. »I-90 Bridge« etwa handelt von einer spätabendlichen Fahrradtour über jene Brücke, die das hippe Seattle mit dem beschaulichen Stadtteil Mercer Island verbindet. Fernab des Großstadttrubels und doch mitten auf dem pulsierenden Interstate Highway, dem Sonnenuntergang entgegen – wie könnte man besser in Erinnerungen an beendete Beziehungen schwelgen? Julia Shapiro, Lydia Lund, Annie Truscott und Gretchen Grimm zelebrieren auf ihrem neuen Album ihre Freundschaft, die seit der Bandgründung über vierzehn Jahre andauert. Die Band als geschützter Raum, in dem das gemeinsame Experimentieren noch enger zusammenschweißt – darauf eine Dose des bandeigenen Lagers mit dem wohlklingenden Namen Pussy Weed Beer. Prost!