Review

Coil

Constant Shallowness Leads to Evil

Dais • 2022

Künstler brauchen Liebe. Zuallererst vom Publikum, ein bisschen aber auch von der Kritik. So waren die englischen Klangesoteriker von Coil not amused, als das Magazin The Wire den zweiten Teil ihrer »Musick to Play in the Dark«-Serie von 2000 nicht in den Himmel lobte. Die Band teilte das sogar auf ihrer Website mit. Ob sie deshalb im selben Jahr ihre Mondmusik-Phase abrupt unterbrachen, um mit dem Album »Constant Shallowness Leads to Evil« allen furchtlosen Hörern zu zeigen, dass sie nicht umsonst mit Industrial groß geworden waren, ist Spekulation, als Gedanke jedoch ganz schön. Wobei das mit dem allgemeinen Bild, die Platte stehe wie ein erratischer Klotz im Werk von Coil herum, nicht völlig stimmt. Sie ist definitiv anders als die meditativeren Sachen, die unmittelbar davor erschienen, und entschieden frequenzbrummiger. »Higher Beings Command« bringt den knurrigen Drone-Einstieg, »Beige«, »Lowest Common Abominator« und »Free Base Chakra« halten obertonlastig Kurs. Dennoch gab es mit »Time Machines« zuvor von ihnen eine Platte, die komplett aus Drone-Epen zusammengesetzt war, selbst wenn sie im Vergleich weniger schroff ausfielen. »I Am the Green Child« hingegen knüpft an Coils Langform-Ambient-Exotica von früheren Solitären wie dem Stück »Another Brown World« an, Balance singt dazu mit computerverzerrter Stimme den Titel als Mantra. Im abschließenden »Tunnel of Goats«, Ziegen mochten sie irgendwie, findet die Sache zu ihrem eigenen Ton. Und der ist beherzt infernalisch, hier reißen die Generatoren die Luft in Stücke. Balance singt zwischendrin ein paar Takte, dann pflügen die Synthesizer wieder ungestört weiter. Dafür muss man in der Stimmung sein.

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Coil
Constant Shallowness Leads To Evil Black Vinyl Edition
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