Die Gegenwart kann sich vor Virtualisierung und Simulation kaum noch retten. Schaut man bewegte Bilder an oder hört man Musik, fragt man sich mitunter, ob das womöglich exklusiv durch die Rechenleistung einer KI entstanden ist. Neben dieser maschinengemachten Virtualisierung gibt es aber ebenso menschengemachte Virtualisierung, wenn man möchte. Und die begann lange, bevor Softwareentwickler die Leistung von Großrechenanlagen für LLM-Programme zu nutzen begannen.
Schaut man sich zum Beispiel das Cover der EP Cosmo-Logic von Cosmo Dance aus Neapel an, könnte man meinen, eine Platte aus den 80er-Jahren vor sich zu haben. Hört man sich die vier Tracks darauf dann an, stehen die Chancen gut, dass es bei dieser Einschätzung bleibt. Ein gerader Beat, ein Slap-Bass, gelegentlich verzerrt hallende Gitarrentöne als Akzent, dazu eine verfremdete Frauenstimme, die in »Força Major« Unverständliches skandiert. Synthesizer sowieso, wenn auch sparsam. Der Produzent Cosimo Mandorino, der hinter dem Namen Cosmo Dance steckt, macht sich seinen Reim auf Italo Disco und Electro – etwa in »My Machine« – jedoch aus heutiger Perspektive. Das aber eben mit so viel Traditionssinn, dass man die zeitliche Differenz kaum merkt. Bei einem Titel wie »Binary War« könnte man vielleicht kurz stutzen, ob das auch schon vor rund 40 Jahren so explizit Thema war. Mit der Basslinie nach dem Vorbild von Donna Summers »I Feel Love« verschwinden solche Grübeleien jedoch gleich wieder. Eine fast perfekte Simulation.

Cosmo-Logic