Daughn Gibson

All Hell

White Denim • 2012

»Eigentlich mag ich alles an Musik, außer Country«, so spricht der durchschnittliche junge Musikhörer. Nun ist Daughn Gibson auf der Bildfläche erschienen, und die Aussage könnte bald mit »Musik« enden. Der Sänger und Produzent aus Carlisle, Pennsylvania hievt Country-Musik ins 21. Jahrhundert. So könnte The Weeknd klingen, wenn er eher Johnny Cash anstatt R. Kelly als Inspiration auserwählt hätte. Oder aber – und da haben die Kollegen von The Guardian die treffendste Beschreibung gefunden – ist Daugh Gibsons Album stellenweise »like hearing Nike Cave‘s ›Murder Ballads‹ and Burial‘s ›Untrue‹. Simultaneously.« Um ein moderneres Beispiel zu wählen: »All Hell« klingt, als hätte sich Dirty Beaches britischer Einflüsse bedient. Mit tiefer Stimme sinniert Gibson über menschliche Schicksale in einer Kleinstadt. Dabei leiert betäubt die E-Gitarre, während alter Whiskey auf die verstaubten Klaviertasten tröpfelt, der Bass wird zum Takt eines älteren Herren in seinem Schauckelstuhl gezupft. Ob es die Blechtrommeln sind, oder ein latentes Orgelspiel – alles unterstreicht eine beschwerte Grundstimmung. Man sieht förmlich die dreckigen Bordsteine der kleinen amerkanischen Stadt und seine müden Bürger.
»All Hell« ist Musik für melancholische, verdrogte Cowboys: Stets vor Männlichkeit triefend und gleichzeitg zerbrechlich und desillusioniert.