Man bekommt gleich im ersten von sieben Teilen dieser EP das dumpfe Gefühl, dass es Djrum hier ein Sample umgedeutet hat und es gar nicht ums Wandern, sondern ums Nachdenken geht. Semantik hat hier aber nicht weiter Bedeutung, denn Felix Manuel tut eh, was er am besten kann: Reibung erzeugen. Mit unruhigen Beatschemata, Polyrhythmen und Schlagmustern, die an Autechre erinnern, aber eben nicht stählern und körperlos erhaben auftreten, sondern hölzern mit beiden Beinen auf dem Boden stehen.
Im Grunde ist I Wander ein einziger Jam einer hypernervösen Ein-Mann-Jazz-Kapelle, die trotz fortwährender Nabelschau nicht auf ihre tatsächlichen Qualitäten vergisst: Im zweiten Teil sind das jene aparten Klaviermelodien, die Portrait With Firewood vor acht Jahren zu einem Meisterwerk machten. Im dritten Teil fressen sich die Kickdrums beinahe gegenseitig auf, so nahe rücken sie aneinander, um im letzten Moment zur Nachvollziehbarkeit zurückzufinden. Teil vier und fünf sind zu einem Kernstück gerafft, während dessen absurden Kapriolen Grime, Dub und IDM der nervenzehrenden Sorte durch den Häcksler fliegen. Gäbe es nicht unerwartete Clap-Gewitter, wäre der sechste Teil verhaltensunauffällig. So hilft auch die Besänftigung mit melancholischen Streichern im letzten Teil nicht, alte Wunden reißen noch einmal auf und man ist geneigt, die gesamte EP in die Sonderklasse zu stecken. Für außerordentlich Hochbegabte mit Hang zum Exhibitionismus, natürlich.

I Wander (Ep)
