Sangam ist eine dieser außergewöhnlichen Aufnahmen, bei denen zwei Meister ihres Fachs zusammenkommen. Und was soll da schon schiefgehen? 1978 in Paris aufgenommen, verbindet Don Cherry seine Trompete, Bambusflöte, Percussion und Keyboards mit den komplexen, präzisen Rhythmen von Tabla-Virtuose Ustad Ahmed Latif Khan. Nun wiederveröffentlicht auf Heavenly Sweetness. Was das Werk so besonders macht, ist, dass es sich keinem Genre eindeutig zuordnen lässt. Klar, es bewegt sich im Jazz – oder genauer gesagt im Indo-Jazz-Fusion –, bringt aber unzählige Elemente und Einflüsse aus anderen musikalischen Richtungen mit ein. Genau diese Kombination aus indischen, westafrikanischen und westlichen Instrumenten macht das Album so lebendig, organisch und groovy. Teilweise geprägt von orientalisch oder indisch angehauchten Melodien, zeigt gerade diese Vielfalt, warum Sangam zu den stärksten Werken von Cherry und Khan zählt – aber auch technisch ist das Album schlicht beeindruckend.
Khan legt das Tempo fest, seine sparsamen, aber höchst ausgefeilten Schlagmuster bilden das Fundament, auf dem Cherry frei solieren kann. Der Opener bewegt sich innerhalb des Albums am stärksten im Jazz und strotzt nur so vor Temperament: Piano, rhythmische Drums und aufregende Trompetensoli. Stücke wie »Rhythm 58 1/4« oder »Sangam« gehen noch einen Schritt weiter, experimentieren mutig mit ungeraden Rhythmen, indischen und afrikanischen Einflüssen sowie einer überraschend freien Harmonik. Das Album wirkt zwar spielerisch, ist technisch jedoch brillant: All die Details – von der Hammond-Orgel, die die Tampura ersetzt, bis hin zu Cherrys lyrischen Vocals – zeigen, wie ein Fusion-Projekt fernab aller Klischees klingen kann.

Music Sangam Printed Insert
