Schon seit Jahren ist das Spannendste, was im US-amerikanischen Rap passiert, das vage definierte Subgenre namens Abstract Hip-Hop. Lallende Rapper mit repetitiven Flows und runterziehender Hänger-Energie; zerstückelte Lo-Fi-Beats mit schwammigen Drums und verwaschenen Samples; ein allgemeines Gefühl von: Ich bin eigentlich schon viel zu bekifft und reflektiere meine Fehlentscheidungen gerade viel zu intensiv – rauche aber lieber noch einen Joint, damit die Augen auch nächste Woche noch auf Halbmast hängen.
billy woods und Navy Blue gehören beispielsweise zu den Vertretern dieser Stilrichtung, ebenso wie Earl Sweatshirt – ehemaliges Odd-Future-Mitglied – sowie der ebenfalls großartige MIKE. Letztere haben sich nun für ein gemeinsames Kollaborationsalbum mit dem Titel Pompeji // Utility zusammengetan, produziert vom Kollektiv Surf Gang. Dabei haben sie einen Ansatz gewählt, der an Speakerboxxx/The Love Below von OutKast erinnert: Jeder hat sein eigenes Album gemacht, und am Ende wurde beides als Doppelalbum veröffentlicht.
Stilistisch bewegen sich beide auf ähnlichem Terrain, nuscheln vor sich hin und fühlen sich selbst auf den ungreifbarsten Beats wohl. Unerwarteterweise gefällt mir die MIKE-Hälfte des Doppelalbums sogar noch besser als jene von Earl Sweatshirt – obwohl ich mich eigentlich als größeren Fan von Letzterem beschreiben würde. Earl Sweatshirt kann nicht ganz an die Qualität seines Vorgängeralbums Live Laugh Love anschließen, während MIKE durchweg in Topform ist. Lieblingssong: »AFRO«.


