Immer diese Alben, zu denen man erst im darauffolgenden Jahr einen Zugang findet – und die man deshalb nicht in der eigenen Jahresbestenliste hatte… Bei mir war’s diesmal Stardust, die neue Platte von Danny Brown. »Every album is a chapter«, rappt er im Opener »Book of Daniel« und trifft den Nagel auf den Kopf. Denn seine Diskografie ergibt tatsächlich eine mitreißende Geschichte, in der das vorherige Album Quaranta einen selbstreflektierten Moment voller Reue, Einsamkeit und Verzweiflung darstellte.
Nun aber ist Danny Brown wieder in Topform, tobt sich auf hektischen Hyperpop-Beats aus, verbindet EDM-Breakdowns mit wabbeligen Wummer-Synths und sogar Metal-Screams. Auf solch verrückten Arrangements zu rappen, das kann nur er. Wirklich großartig ist Stardust aber deshalb, weil die Platte einen weichen Kern hat. Brown rappt oft so, als hätte er ein dickes Grinsen im Gesicht, scheint hörbaren Spaß an seiner Musik zu haben und ist begeistert von den eigenen Fähigkeiten. »Music my only way out«, rappt er.
Das Ganze hat auch etwas Therapeutisches: Brown erzählt von neu gefundenem Stolz auf seine Arbeit, von Selbstakzeptanz und davon, dass er sein eigenes Leben liebt. Endlich. Frühere Suchtprobleme scheint er größtenteils verarbeitet zu haben und schafft auf Stardust etwas ungemein Wertvolles: der Danny Brown zu sein, den wir wollen, ohne sich dabei kaputtzumachen. Stardust ist sein bestes Album seit fast zehn Jahren. Und ich Dummkopf hatte es nicht in meiner Jahresbestenliste!

Stardust White Vinyl Edition
