Der brasilianische Gitarrist Edu Lobo wurde in den 1960er-Jahren mit der Bossa-Nova-Welle groß, inspiriert von deren treibenden Künstlern wie Antônio Carlos Jobim oder João Gilberto. Er stand zugleich am Übergang zur Música Popular Brasileira (MPB); zu seiner ersten Band gehörten neben ihm der spätere MPB-Star Marcos Valle und der Sänger Dori Caymmi. An diesem Übergang kann man auch Lobos Album Cantiga de Longe aus dem Jahr 1970 sehen, auf dem der Großteil der Stücke von ihm selbst komponiert ist. Sein Vater, der Komponist Fernando Lobo, wird mit einer Version seines eingängig-vertrackten »Zum-Zum« geehrt.
Edu Lobo spielt durchgehend in übersichtlicher Besetzung. Neben ihm an der Gitarre gibt es Bass und Schlagzeug, als Perkussionist ist Airto Moreira mit von der Partie. Die Arrangements stammen vom Bossa-Innovator Hermeto Pascoal, selbst an Flöte und Klavier zu hören. Ein großer Vorzug von Cantiga de Longe ist Pascoals ökonomischer Einsatz der Instrumente und die diskrete Kombination von Repetition und Komplexität. In »Feira de Santarém« gibt es etwa minimalistische Gitarren- und Klavierparts, wobei Pascoal das Klavier gezielt nur stellenweise einsetzt, ähnlich wie die zwei Backgroundsängerinnen, die den Rhythmus unauffällig mit kreiselnden, loopartigen Figuren zusätzlich verschachteln. Bei Lobos zurückgenommenem Gesang merkt man das Vorbild Gilberto, was kein Schade ist, zumal Lobo mit seiner tieferen und sonoreren Stimme einen eigenen Akzent setzt. Forte.

Cantiga de Longe