Review Jazz World Music

Luiz Bonfá

Introspection

Jazzybelle • 1972

Ein neuer Eintrag in der Kategorie: Platten, die sich festsetzen zwischen Schläfe und Schulterblatt und dann einfach da bleiben. Introspection von Luiz Bonfá ist so eine. 1972 aufgenommen, weit weg von der Copacabana-Heimat, die der Brasilianer nach Beginn der Militärdiktatur verlassen hatte. In New York, wo er fortan lebte, schrieb Bonfá für Elvis Presley und Quincy Jones. Er hatte ja was vorzuweisen, als Quasi-Miterfinder dessen, was die Leute neuerdings Bossa Nova nannten.

Deren bunte Plastikschirmchen-Variante hatte Bonfá schon in den Sturm-und-Drang-Jahren durchgespielt. Introspection ist deshalb eher Heimatlosigkeit und der Blick aufs Meer und der notwendigste Satz: Da fühlt man sich ja ganz klein als Mensch. Das heißt, Introspection ist genau das: Reinschauen, in sich, nach draußen. Zwölf Nylonsaiten helfen, dazu ein alter Mann, der allein ist mit seinem Instrument und genau weiß, was er zu sagen hat, aber die Klugheit besitzt, es nie mehr zu erklären. Ein halbes Jahrhundert später tut das sowieso jemand anderes: Jazzybelle Records.