Wir gehen durch die Realität einer gerade ihres Lebens beraubten Gegenwart. Die Schaukel quietscht noch am Spielplatz, das Karussell dreht sich noch ein bisschen. Irgendwo hängt Wäsche, aber niemand ist da, um sie abzunehmen. Ein paar Fenster stehen offen, die Tür ist gerade so angelehnt, als hätte jemand eben erst das Haus verlassen. Doch wohin man auch schaut: niemand. Es ist eine kafkaeske Stille, die sich statt in Angst langsam in Melancholie verwandelt.
Diese und andere Bilder kommen auf, wenn man sich durch Esse Pi Ennes Industrial Relations arbeitet. Es ist die Vergangenheit einer Zukunft, das Versprechen eines Futurismus, der nicht eingetreten ist. Das Aufwachen in etwas Industriellem, das längst von seinem Traum leergeräumt wurde. Ausgefranste Drums, schräg einfallende Gitarren und schläfrige Loops verstärken dieses Gefühl, während dazwischen immer wieder unerwartet zarte Momente aufbrechen. Die dreizehn Tracks werden so zum Zeugnis einer vergangenen Gegenwart, die nie existiert hat und einem doch wie aus einem fast vergessenen Traum bekannt vorkommt. Zurück bleibt ein metallisches Gefühl von Schwerelosigkeit und die Sehnsucht nach etwas Lebendigem in einer ausgehöhlten Welt.

Industrial Relations