Zu meinen Lieblingsalben aller Zeiten gehört Remain in Light von Talking Heads. Seinen fragmentierten Charakter bezieht das Album vor allem daraus, dass sich die Band hier gewissermaßen selbst gesamplet hat: Akribisch erarbeitete Loops wurden in einen organisch wirkenden Bandkontext überführt. Alles live – und doch irgendwie nicht.
Zu meinen Lieblingsalben der bisherigen 2020er-Jahre gehört Girl with Fish von Feeble Little Horse. Darauf bedient die junge Indie-Band aus Pittsburgh, Pennsylvania, mit ihrem glitchigen Shoegaze-Pop eines meiner liebsten Subgenres: ultraeingängige Rockmusik, die permanent so klingt, als würde sie auseinanderfallen.
Zu meinen Lieblingsalben des Jahres 2026 gehört Bitknot, ebenfalls von Feeble Little Horse. Hier werden die grundlegenden Ästhetiken von Remain in Light und Girl with Fish gewissermaßen miteinander verschmolzen. Wie schon das vorherige Explosivwerk der Band ist auch Bitknot kurz, knackig und geprägt von ultradröhnenden Gitarrenakkorden sowie der nüchtern-süßen Stimme von Frontfrau Lydia Slocum. Darüber hinaus verfolgt die Gruppe einen Ansatz, der an die Talking Heads zur Zeit von Remain in Light erinnert: Es klingt, als würden eingespielte Aufnahmen digital bearbeitet, zerhackt und wieder zusammengesetzt – scheinbar willkürlich, tatsächlich aber mit Präzision. Die Digital Audio Workstation wirkt dabei wie ein weiteres Bandmitglied. Allzu weit wird dieses Prinzip jedoch nicht getrieben; im Kern bleiben die Stücke eingängige Popsongs mit Rockfundament. Ein digitales, zugängliches Sample- und Gitarrengewitter.

Bitknot White Vinyl Edition