FKA twigs

Magdalene

Young Turks • 2019

FKA twigs ist zurück, auf Albumlänge, und sie ist unbewaffnet bis unter die Zähne. »Magdalene« ist pure Emotion, ungefiltert, ungeschützt – und uninteressant. Das Album wirkt stellenweise unausgegoren bzw. überkocht, ein Song kommt nach dem anderen und macht den vorherigen vergessen. Alles ist immer zu pointiert. Alles muss immer besonders besonders sein: Die Verzweiflung, die Stärke, die Stille, das Laute. Dabei gelingt dem Album das unangenehme Kunststück, total pushy auf »seht her!« zu sein, und dabei trotzdem schon während des Hörens ins Halbbewusstsein zu versickern. Die Instrumentals von Nicolas Jaar, Skrillex und benny blanco klingen fast alle furchtbar Gesten-schwanger, das Songwriting scheitert wie der Rest des Album an der Überidentifiziertheit mit dem eigenen Shit. Aber vielleicht sind die Zielgruppe auch einfach solche, die bei Netflix-Produktionen weinen (no offense). Auch all die »holys« und »sacreds« die auf dem Album so gedroppt werden, passen prima zu Instagram-Empowererz, aber eher weniger zu den Lesern dieses Magazins. Nun zu dem, was gut ist. Das Intro! Das mantrische »if I walk out the door now it starts our last goodbye«, gesungen in lichtdurchfluteten Hallen aus weißem Marmor, wirkt. Und wenn FKA twigs in ihrem unnachahmlichen Falsett über ein einfaches Piano betrauert, »I didn’t know that you were lonely, if you would have told me, I’d be running down the hills to you« entfaltet »Magdalene« für ein paar Momente sein ganzes Potential, seine kathartische Kraft, seine Fähigkeit die Leere des Verlusts mit der Kraft der eigenen Stärke aufzufüllen.

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