Review

Francisco López

Untitled [2009]

Baskaru • 2011

Es ist Zeit für Erinnerungen.Vor einigen Jahren lag ich wach in einem Jugendherbergs-Achterzimmer. Drei ältere Männer hatten unabhängig voneinander begonnen zu schnarchen. Ohropax? Fehlanzeige. Irgendwann, nach mehrfachem Hin- und Herwälzen meinerseits, gab mir mein Bruder einen interessanten Rat. Ich solle mir einfach vorstellen, das schnarchende Trio sei ein Track von Autechre. Fünf Minuten nach dieser musikalischen Epiphanie war ich eingeschlafen. Francisco López scheint in dieser Nacht dort wachgelegen zu haben. Das erste Stück dieser gesammelten Werke beginnt mit einer Schnarchovertüre, welche sich in ihrer Verschiebung immer mehr zu einem aufeinander streng abgestimmten Track wandelt, bevor es befreiender Klang wird. López’ Ansatz spielt genau mit dieser Frage nach auditiver Wahrnehmung: Schnarchen oder Musik? Sinuswelle oder Symphonie? Die Quelle des Klangs bleibt hierbei trotz offensichtlicher Urheberschaft ebenso in ständiger Hinterfragung. Die 14 Stücke kratzen, kreischen, strudeln und erklingen in absoluter Reinheit. Sie mäandern und stehen statisch still, zerfallen und reißen Räume auf. Lopez schafft es, seine Klanguntersuchungen ebenso abwechslungsreich wie spannend zu inszenieren – ein viel zu seltenes Resümee in den tausenden Veröffentlichungen von Klangexperimenten.

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