Grandma Love nennt der Bristoler Produzent Tavis Hitchcock dieses Projekt. Es könnte kaum weiter entfernt sein vom düsteren, industrialhaften Drum’n’Bass-Sound, den er unter seinem Alias Karkossyn veröffentlicht. Die Collage aus verblichenen Familienphotos auf dem Kassettencover deutet es an: Eingelullt in verwaschen klingende, verschleppte, leicht schepperige Beats reist man in eine Vergangenheit voll wohliger Gefühle.
Kitschig fühlt sich diese Form von Nostalgie jedoch nicht an – eher etwas bekifft und psychedelisch, mit entspannten Lo-Fi-Beats und verwaschenen Synthesizer-Flächen, zwischen Hypnagogic Pop und Downbeat. Dazwischen immer Field Recordings, wie die Fetzen einer Unterhaltung, die vom anderen Ende des Gartens herüberschallt: Auf »Blue Skies« wird der blaue Himmel immer wieder als »absolutely gorgeous« gepriesen.
Das ambienthafte »Back To Bed« entwickelt tatsächlich einen ähnlich sanften Sog wie das noch warme Bett, aus dem man vom Wecker vertrieben wurde. Das gelingt durch einlullende Loops und die Abwesenheit von treibenden Beats. Deutlich rhythmusgetriebener klingt »Oh He’s Handsome« durch seinen Drum’n’Bass-Drive. Wenn auch abgefedert – und so gar nicht clubby. Es erklingt der Morgen, an dem die Nacht noch nachhallt. Faszinierend, wie Hitchcock mit diesem Album so manche Genrekonvention elegant in ihr Gegenteil verdreht.

Grandma Love