Sam Shackletons Bassmutationen haben sich in den letzten Jahren – aufgrund der zahlreichen Zusammenarbeiten mit anderen Künstler:innen, aber auch aufgrund eines Shifts hin zu ausladenderen, frickeligeren und psychedelischeren Tracks – immer weiter vom Tanzflur entfernt. Sein fünftes Soloalbum nähert sich diesem wieder an, lässt aber eine Hintertür offen. Und mit geraden Schritten bewegt sich seine Musik ohnehin nirgends hin.
Was wir auf Euphoria Bound hören, ist dicht, versprüht maximal die Illusion von Raum und weigert sich selbst in den ruhigeren Passagen stillzustehen. Die Art, wie Shackleton Drums und Rhythmen benutzt, die weit außerhalb europäischer Grenzen ihren Ursprung haben, oder wie er chantende Vocal-Samples einsetzt, hat schon immer dafür gesorgt, dass sich eine exotisierende Sprache seiner Musik annimmt. Dabei ist ihm mit Euphoria Bound endgültig die Art von Album gelungen, die keinen Ort kennt. Wo auch immer uns die Grooves in Tracks wie »The Unbeliever’s Pulse« hinschrauben, die Chancen stehen gut, dass keine:r von uns schon einmal dort war.
»Crushing Realities« ist ein gutes Beispiel dafür, wie man Musik für einen Club denken kann, der an einem Abgrund steht. Zarte Erinnerungen an die Skull-Disco-Tage werden wach, wenn der Bass unter den peitschenden Beat drückt, der immer dann die Percussion unterbricht, wenn man eine Melodie erahnen kann. Trotzdem müsste man lange suchen, um einen solch hypnotischen Beineverknoter in seiner Diskografie zu finden. Auch nach über 20 Jahren im Business schafft es Shackleton, seinen ikonischen Stil immer wieder mit frischen Ideen zu verweben.

Euphoria Bound

