Review

Gravediggaz

Six Feet Deep

Gee Street • 2014

Anno 1992 taten sich Prince Paul, RZA, Frukwan von Stetsasonic und Poetic unter den Aliassen Undertaker, Rzarector, Gatekeeper und Grym Reaper zusammen, um als Rap-Supergroup Gravediggaz gemeinsame Sache zu machen. 1994 brachten sie ihr Debütalbum heraus: »Six Feet Deep«. (Vom ursprünglichen Albumtitel »Niggamortis« nahm man für den US-Release schnell Abstand – er war seinerzeit wohl doch etwas zu grob.) Das Album selbst ist ebenfalls von der groben Sorte: Bedrohlich-düstere Beats bestimmen das Klangbild. Aggressive, entrückte und wie besessen wirkende Raps sowie Wut, Angst, Zweifel und Trauer, gepaart mit mindestens genau so viel schwarzem Humor, bilden den lyrischen Antrieb der Gravediggaz. Zusammengenommen ergeben sie einen atmosphärischen, virtuosen Mix, der die musikalische Blaupause für den Horrorcore von Labels wie Uncle Howie Records oder auch Crews wie Swollen Members lieferte. Das Konglomerat aus obskuren Samples, makabren Wortspielen, esoterisch angehauchten bis psychopathisch infizierten Reflexionen und Beats, die sechs Fuß tief in die Magengrube gehen, war seinerzeit definitiv Neuland. Bis heute konnte der Zahn der Zeit »Six Feet Deep« der Gravediggaz kaum etwas anhaben: Was damals eine Sensation war, hält den Vergleich mit zeitgenössischen Klängen nach wie vor stand. Tracks wie »1-800-Suicide«, »Diary Of A Madman« oder »Two Cups Of Blood« sind zeitlose Klassiker, deren Wucht auch nach 20 Jahren den Whack MCs zeigt, was ‘ne Harke ist – nur, damit diese sich damit dann gleich noch ihr eigenes Grab schaufeln können.