I Wish I Was Special tönte es noch vom Debütalbum der beiden DIYler von Guests. Man darf annehmen, dass sie das nicht so gemeint haben. Die Stücke strahlten weder Anspruch, noch spitzes Wunschdenken, noch den Wunsch herauszustechen aus. Genauer gesagt: Es wurde eigentlich gar nichts so richtig aus-formuliert. Billo-Keyboard-Field-Recording-Musik, unausgeschlafen, noch bisschen verhangen vom Vortag. Skizzenhaft, sich immer gerade noch der Hingabe entziehend. Juvenil in einer Form; wahnsinnig charmant auf jeden Fall. Und in den Momenten, wo dann tatsächlich SONG auch mal zugelassen wurde (»A Veneer«, »A Promise«, »Whatever«) auch sehr GUT.
Jetzt Album Nummer 2. Und im Grunde die gleiche Formel: Schlafzimmer-Synths, John-Travolta-Meme-Drum-Machines (wohin genau?) und Text für den Literatur-Abend in der Off Location. Passend: es wird einem »some stuff« versprochen, wenn man die Limited Edition bestellt. Understatement bleibt die große Geste. Doch — auch, wenn sie es nicht zugeben wollen — Guests haben sich für Common Domestic Bird durchaus mehr Anspruch erlaubt. Das ist ja stellenweise fast Synth-Pop jetzt. Durchaus auch mit Dub im Tank. Der Bass hat doch beim letzten Mal nicht so gewummert?!
Aber auch, wenn alles jetzt etwas fülliger, etwas zielgerichteter klingt, bewahrt die Musik von Jessica Higgins und Matthew Walkerdine auch in Runde 2 den ureigenen Charme. Hierzu an einem bewölkten Tag die Enten in der Stadt füttern. Aber sie lehen ab. Haben keinen Hunger. Kaut man halt selbst auf dem trockenen Brot rum. Shrug-Life.

Common Domestic Bird