Wenn es etwas gibt, das so unvorhersehbar ist wie das, was einen in den Tiefen des Meeres erwartet, dann ist es die Karriere von Laurel Halo. Wer in den letzten anderthalb Jahrzehnten ihre künstlerischen Entscheidungen zu antizipieren versucht hat, kam nicht selten ins Schwitzen. Angefangen hat sie als hochtalentierte Durchspielerin abseitiger Synth-Pop-Musik, bevor sie schon vor ihrem ersten Album allen Erwartungen den Mittelfinger entgegenstreckte und sich rauschender Digitalmusik hingab, danach in den Club umsiedelte, nur um Techno links liegen zu lassen, um sich Klavierexperimenten und beat- wie stimmlosen Ambientsounds zu widmen. Vorläufiger Höhepunkt? Das immer noch un-fass-ba-re Atlas aus dem Jahr 2022.
Daran anknüpfend scorte sie nun die Musik für den Film Midnight Zone des Künstlers Julian Charrière, der neben seinem hypnotischen Bewegtbild, in dem der titelgebende, lichtfreie Bereich des Meeres von einer rotierenden und immer weiter hinabgleitenden Fresnel-Linse aus einem Leuchtturm angestrahlt wird, Teil einer Ausstellung zum Thema ist. Das aber ist nur so mittelwichtig. Was hier auch ohne Begleitmaterial passiert, reicht aus, um wieder daran zu scheitern, oben und unten oder rechts und links nicht mehr unterscheiden zu können.
Selbst das frech benannte »Sunlight Zone«, also der Beginn des Abstiegs, zieht einen bereits mit dröhnenden, unheilvollen Klängen, die sie – wie den Rest der Platte – vorrangig mit einem Yamaha-Montage-Synthesizer und einem TransAcoustic-Klavier entstehen ließ, in den Abgrund. Halo schafft es, nicht einfach die Klänge der Meerestiefe zu übersetzen, sondern das Gefühl zu erzeugen, in das Unbekannte und Unsichtbare hinabzusteigen und nicht zu wissen, was einen erwartet.

Midnight Zone
