Wenn man bei einer Band oder einem Projekt von einem neuen Album hört, sich freut, dass es wieder etwas zu hören gibt, und dann erst merkt, dass die letzte Platte davor schon neun Jahre her ist, spricht das eigentlich für die Band. Einfach, weil die Musik einem in so guter Erinnerung geblieben ist, dass man darüber ganz vergessen hat, wie die Zeit vergangen ist. Kann auch etwas mit der Pandemie dazwischen zu tun haben, aber das soll jetzt nicht Thema sein.
Das Duo Visible Cloaks ist jedenfalls zurück, und das mit alter Kraft. Was heißt, dass sie ihrem Ansatz, »natürliche« und »künstliche« Klänge so zu kombinieren oder einander gegenüberzustellen, dass etwas flirrend Hybrides daraus entsteht, treu geblieben sind. Die Musiker Yoshio Ojima und Satsuki Shibano, mit denen sie schon ein komplettes Album eingespielt haben, kehren diesmal als gelegentliche Gäste zurück, zu denen erneut auch Motion Graphics zählt und als neue Mitstreiterin Félicia Atkinson, die in Dialog mit einer Computerstimme tritt.
Was die Musik von Visible Cloaks auch auf Paradessence so toll macht, ist der klare, fast spröde spartanische Klang, der andererseits in sich so fremdartig wirkt, dass er mitunter wie verdichtet erscheint. Tönende Laser könnte man das nennen, aus denen hier ein Zupfinstrument wie eine Harfe oder da ein dezent schepperndes Prepared Piano herausflackert. Und sind das zwischendrin Wassergeräusche, wurde da eine Klarinette bearbeitet? Anregend verwirrend, das alles.

Paradessence Black Vinyl Edition

