Einfache Fragen erfordern manchmal komplizierte Antworten. Das weiß Felicia Atkinson. Auf dem Schlusstück ihrer Kollaboration mit Christina Vantzou haucht sie mit erwachsener Zärtlichkeit Worte, die sonst nur aus dem Mund eines Kindes stammen könnten: »How can a boat float? How can a plane fly? How can a body swim? How can a person dream?« Die Naivität dieser Fragen ist errungen.
Reflections Vol. 3: Water Poems ist in vielerlei Hinsicht affektiert. Im Grunde kombiniert das Album zurückhaltende Ambient-Kompositionen mit unscheinbaren Field Recordings. Doch Letztere wurden an Orten aufgenommen, die kulturell eher aufgeladen sind: Delphi, Lesbos und der Villa Medici in Rom. Hinzu treten Lyrik-Rezitationen auf Englisch und Französisch, die zwischen mythologischen Anspielungen und mystischer Einheitserfahrung schwanken. Zweifellos sind die Water Poems im Herzen der Kunstgeschichte des Abendlandes situiert. Das ist weder für Atkinson noch für Vantzou etwas Neues.
Und dennoch ist ihr Zusammenspiel bei allen Anspielungen unprätentiös. Es fühlt sich an, als würde man in einer Thermalquelle den Kopf unter Wasser halten, einfach nur lauschen und dabei zu träumen anfangen. Es ist Musik für Menschen, die am liebsten Ovid und Hesiod im Original lesen würden – aber nur, um das Gefühl wiederzubeleben, als Kind zum ersten Mal Mythen entdeckt zu haben. Um vor Staunen nur so zu strotzen. In einer komplizierten Welt braucht es manchmal naive Fragen.


