Gespenster in der Tiefe: Das niederländische Duo Wanderwelle beschließt seine Trilogie von Alben über die ökologischen Auswirkungen des Klimawandels auf die Meere. Umweltzerstörung in Küstenregionen zu Lande und zu Wasser erkunden sie dabei mit elektroakustischen Mitteln, die sie für jede Platte spezifisch auswählen. Nach alten Kavallerie-Trompeten auf Black Clouds Above the Bows und einer durch einen Erdrutsch an der niederländischen Küste beschädigten Kirchenorgel auf All Hands Bury the Cliffs at Sea verwenden J.P.A. van Dulm und A.G.A. Bartels auf Ghosts Beneath the Brine diesmal Becken, die sie über längere Zeit in Meerwasser tauchten.
Mit Bögen oder Schlegeln spielten sie diese in verschiedenen Stadien der Zersetzung durch Korrosion. Wie auf den anderen Alben zuvor kommen auch hier weitere Instrumente wie Cello, Gitarre, Stimme, Synthesizer und Field Recordings hinzu. Der Einsatz von Salzwasser hat seine Konsequenz, da sich dieses Album dem Sterben von Meeresbewohnern durch Überfischung, Erwärmung und Versauerung widmet.
Wanderwelle finden dafür musikalisch eine Balance zwischen dem Kaputten der schrill kreischenden Beckentöne, der leisen Klage, die aus den angedeuteten Melodien der anderen Instrumente spricht, und dem Unheimlichen, das sich in tiefen Perkussionsschlägen oder diffus hallenden Geräuschen ankündigt. Für sich genommen wären diese Elemente wohl zu wenig oder aber zu viel, zusammen ergeben sie eine fragile Schönheit, mit der sie der Bedrohung trotzen.

Ghosts Beneath The Brine