Dass von einigen Musikern gilt, dass sie stets mit neuen Ansätzen überraschen, mag selbst so eine Phrase sein. Bei Will Yates alias Memotone stimmt das in dem Punkt, dass er seinen Ansatz tatsächlich von Platte zu Platte verändert oder zumindest verschiebt. Ob das dann noch für Überraschungen taugt oder schon zur erwartbaren Konstante gerät? Was auf Warm Shadows ganz sicher unerwartet kommt, ist der Fortgang von Stück zu Stück.
So lässt die Titelnummer am Anfang vermuten, dass Yates seine Klarinette erneut in verschiedenen Zusammenhängen erkundet, mit sich langsam vorantastendem Jazz und einer elektronischen Verfremdung des Blasinstruments, die an eine Verneigung in Richtung Jon Hassell denken lässt. Gleich im nächsten Song, ja, doch, singt dann die litauische Musikerin Ugnė Uma nach einem gesprochenen Monolog über verhaltenen einzelnen Gitarrentönen und einem ostinat im Hintergrund tackernden Rhythmus, der weniger Beat als durch diskretes Zittern tragende Zeitstruktur sein möchte.
Der Beat versteckt sich auch in der folgenden Nummer, die man als Improvisieren mit Ambient-Elementen deuten kann, ohne dass klar ist, was für Instrumente da genau zum Einsatz kommen – Streicher? Echte? Konstant bleibt auf der Platte die friedliche Grundstimmung, die zugleich von unaufhörlicher Neugier getrieben scheint. Da kann man zwischendurch schon mal bei einer Indie-Rock-Nummer landen, die derart aufs Knappste arrangiert ist, dass sich beim besten Willen keine Rock-Klischees darin finden. Überraschung. Gute.

Warm Shadows
