Die Musik von Hun Hun behauptet nicht in fremden Welten zu sein. Das angeblich Exotische auf dem Debüt der Brüder Jimmy und Noé Moens aus Brüssel vereinnahmt keine Kulturen. Dabei wäre das leicht zu behaupten, weil diese Musik von tribalen Rhythmen, orientalischen Sounds, fremden Stimmen durchsetzt ist. Doch das Fundament ist der Beton aus dem der Dancefloor eines Stadtrandclubs gegossen ist. Nur betreten wir ihn hier zwei Stunden vor Eröffnung.
Der Track »Spell« zeigt es exemplarisch: Synthbässe treffen auf minimalistische Percussion, gezupfte Saitenmelodien, atmosphärische Flächen kommen und gehen, Stimmen sprechen aus naher Ferne, die Elemente sind in Wiederholung strukturiert. Und dann Abschnitte der Ruhe. Die entscheidende Zutat. Pausen, in denen der Asphalt hörbar wird. Die Musik lenkt die Aufmerksamkeit nicht auf das, was sie ausstellt – sondern auf das, was sie auslässt: eine Kickdrum zum Beispiel. Der Druck der Bässe. Dadurch wird hörbar, wie sehr sie eigentlich vom Club her denkt.
Macadam Mambo ist ein Label, das sich für solche Zwischenräume interessiert – Musik, die nicht eindeutig zuzuordnen ist. Frantic Flow of the Gong passt da rein: keine World Music, kein Techno, kein Ambient. Hun Hun pressen nicht die Kulturraum-Schablone auf ihre Musik. Sie bilden Lebensrealitäten ab. Zwischenräume, wie sie in St. Gilles oder Neukölln täglich entstehen. Keine Weltmusik-Fantasie, sondern urbane Hybridität. Die Rhythmen, Sounds, Stimmen sind nicht exotisch – sie sind Alltag. Musik von heute.

Frantic Flow Of The Gong