Review

Igor Tipura

Dwams

Unknown To The Unknown • 2016

Igor Tipura kommt so ziemlich aus dem Nichts, das heißt der Soundcloud-Standortmarke seines recht frischen Labels Kitjen aus Deutschland. Jetzt legt er auf DJ Haus‘ findiger Abschussrampe für all things bangin’, Unknown To The Unknown einen Track ab, der auf der B-Seite von Phillip Lauer zu einem der Hits des Jahres frisiert wird. Aber von Anfang an, das heißt der Original-Version von »Dwams«: Über einem langsam pulsierenden Beat röhren entrückte Synthie-Flächen. Das alles klingt weit weg und eher wie das Hämmern im Hinterkopf nach der Party denn nach Peak-Time-Momenten im Stroboskop-Licht. Daran ändern die pointillistischen Trance- und Acid-Momente recht wenig. Aber Tipura will das vermutlich gar nicht, sondern lieber Geschichten erzählen. Das gelingt ihm recht gut, auch wenn in Sachen zuspätkommender Rave-Nostalgie eigentlich alles ausdekliniert wurde. »Dwams« ist ein Track für das letzte Drittel des Montagmorgenclosings oder dezente Gänsehäutchen auf der heimischen Couch. Anders Lauers Interpretation, die nicht nur das Tempo anzieht, sondern auch die Synthies von der Leine lässt. Über einem klatschenden Backbeat, der die EBM-Referenzen dankenswerter Weise nicht übertreibt, schmirgelt das Tuff City Kid die Patina der Vorlage ab. Übrig bleibt ein zittriger Beinahe-Acid, der zwischendurch in ebenso überlebensgroßartige wie klirrend kalte Wave-Bereiche vordringt. Wo Tipura noch erzählen will, da lässt Lauer erleben: ein großartiges Modul folgt dem nächsten, die Gesamtstruktur ist vage Italo Disco und letztlich ein bisschen egal. Das macht Lauers Remix zu einem tollen Komplementärstück zu Tipuras A-Seite und zugleich dem neuen Dancefloor-Hit des Sommers 2016.

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