Review Hip-Hop Pop

Ikkimel

Poppstar

Four Music Local • 2026

Niemand fordert das Patriarchat derzeit so konsequent heraus wie die Berliner Rapperin Ikkimel. Kaum ein musikalisches Phänomen wird hierzulande so intensiv diskutiert und liefert dabei so viel wichtigen Gesprächsstoff zu Themen wie Sexismus, Queerness und der problematischen Doppelmoral vieler Männer. Die 29-Jährige verleiht dem weiblichen Wunsch nach Konfrontation eine starke Stimme, unterstreicht und durchbricht dadurch sexistische Stereotype und erschafft so ein Gefühl von Selbstbestimmung. Dass lesbischer Sex geiler ist als der mit Männern, darf man denen ruhig mal an den Kopf werfen. »Frauenfeind ist, wenn er Arschloch nicht leckt«, rappt sie an anderer Stelle – und bringt mit ihrer radikalen Art etwas Essenzielles auf den Punkt: Dass vielen Leuten diese Musik schwer aufstößt, zeigt letztlich nur, dass wir als Gesellschaft noch einige Meter zu gehen haben.

Musikalisch besteht die Platte größtenteils aus jenem aufgekratzten Techno-Rap, für den Ikkimel längst bekannt ist. Klar, direkt und formelhaft bleibt das weiterhin – Poppstar wählt konsequent den einfachsten Weg, jede musikalische wie textliche Entscheidung liegt nah. Gerade diese ästhetische, ja: Stumpfheit lässt sich jedoch als radikale Punk-Geste verstehen. Schon ein Hauch von Komplexität wäre hier fehl am Platz und würde der konventionsbrechenden Wirkung im Weg stehen. Dass das aktuell extrem viele Menschen anspricht, ist hochinteressant und zeigt: Manchmal müssen Dinge eben schnurstracks herausposaunt werden, um tatsächlich etwas zu bewirken – auch wenn das musikalisch stellenweise etwas einseitig wirkt.