KitschKrieg Zwei ist Betäubungs- und Aufputschmittel zugleich. Lethargisch und ein bisschen wütend. Beseelt und von Angst getrieben. Aber auch selbstermächtigend und euphorisch. Widersprüche gehören zum Standardrepertoire des Berliner Produzentenduos KitschKrieg und prägen seine gesamte Ästhetik – den Sound, die Musikvideos, nicht zuletzt die Feature-Gäste.
So haben Fizzle und Fiji Kris wieder einmal Stimmen für ihr neues Album an den Start gebracht, die konträrer nicht sein könnten. Alt trifft auf Jung, etwa der Geist von Rio Reiser auf Rapperin Charlize und Newcomerin Romy. Was sie alle eint: die Suche nach Halt und echten Verbindungen, dem digitalen Lärm längst überdrüssig. So entstehen Generationengespräche über Liebe und Herzschmerz, der zuweilen mit gewaltiger Bildsprache verarbeitet wird: »Wasserfallpupillen, Augentropfsteinhöhlen, Wimpern hinter Gittern, jedes Blinzeln ’n bisschen bitter, ’n bisschen schön.« Oder: »Der Himmel kotzt, bevor er bricht.«
KitschKrieg legen dieses Mal elektronische Sounds zum Raven unter das emotionale Chaos – mit Einflüssen von Techno und Pop über Future-Retro-Breaks bis hin zur Düsseldorfer Band Kraftwerk. Die gleichförmigen Technobeats stehen dabei für eine künstlich geschaffene Stabilität, die eine Liebesbeziehung nicht vollends leisten kann, weil sie im Kern fragil bleibt. Und immer einen neuen Versuch wert. So wie das Üben in mehr Selbstliebe, mit der das Album schließt.

Kitschkrieg Zwei

