Mit bluesigen Pickings auf der Akustikgitarre eröffnen Imarhan aus Tamanrasset ihr viertes Album Essam. Bald erklingt die Stimme des Sängers und Gitarristen Sadam, meditativ und melancholisch. Nach und nach kommen weitere Stimmen hinzu. Ungefähr in der Mitte des Songs mischen sich sphärische Klangflächen darunter. Sie markieren einen neuen Abschnitt für die Band, die den Stil von Gruppen wie Tinariwen oder Tamikrest nun behutsam, aber auch entschlossen weiterentwickelt. Unterstützt wurden sie dabei von ihrem Toningenieur Maxime Kosinetz sowie von Emile Papandreou vom französischen Duo UTO. Letztere sampelten und bearbeiteten unter anderem die Percussion-Instrumente mit einem modularen Synthesizer.
Am markantesten lässt sich die neue Herangehensweise von Imarhan vielleicht in »Azaman Amoutay« hören, in dem Sadam über elektronischen Beats davon singt, dass er von der Ereignisdichte der Gegenwart überwältigt ist. Das folgende »Tin Arayth« knüpft dann eher an frühere Alben an: Es wird von traditioneller Perkussion angetrieben und mit silbrigen Leadgitarren gekrönt. Dies ist keine Absage an die Vergangenheit, sondern ein Zeichen der Verbundenheit. Die Melancholie ist dabei jedoch nicht zu überhören, denn auch für die Tuareg waren die vergangenen Jahre keine leichten.

Essam Black Vinyl Edition
