Interpol

El Pintor

Soft Limit/PIAS • 2014

Stück für Stück brach die Welt in Interpols Musik ein. War das Debüt »Turn On The Bright Lights« der New Yorker noch ein unnahbarer schwarzer Nebel, der sich kaum lichtete und über die Häuser und Straßen der Stadt legte, hat ihr fünftes Album aufgegeben. Das, von dort draußen, ist hier eingefallen. »Be my desire, I’m a frustrated man«, singt Paul Banks gleich zur Eröffnung. Nachdem Bassist Carlos Dengler die Band verließ, ist »El Pintor« trotzdem die Rückkehr zur Eiszeit, zum Unterkühlten, zu den Anfängen von Interpol Kein Pathos mehr. Die großen Dinge betrachten Interpol hier wieder mit dem gleichgültigen Schrecken. Vom Sound her liegt »El Pintor« näher am Debüt als an allen anderen Alben, am PostPunk der ersten Tage, hat aber trotzdem die Spuren der Weiterentwicklung noch in sich. Ein Stück wie »Ancient Ways« hätten Interpol vor ein paar Jahren so nicht auf die Spur gebracht, weil so viel Eskapismus, so viel Ausufern hätte es damals einfach nicht gegeben. Auch »Tidal Wave« bricht nach hinten raus aus, versenkt Melodie und Rhythmus in Gitarren. Das machen Interpol mit nicht gerade viel Subtilität, was »El Pintor« breiter, massiger macht, aber zugleich auch nahbarer. War auf den schwarzen Anzügen bisher nichts zu sehen, füllt sich die Luft hier mit Schweiß und Staub. Konnte vor über zehn Jahren noch so viel Dreck auf einem Song wie »Obstacle 2« liegen, er passte doch irgendwie perfekt auf das Debüt. Diese Atmosphäre hat »El Pintor« einfach nicht. Nicht dass sie fehlt, dass diese Platte deswegen schlecht wäre. Nur fehlt ihr der besondere Moment, das Eintauchen in Musik, die sich nicht von der äußeren Welt bestimmen lässt, sondern sich aus ihrem Inneren erhebt. Der Nebel legt sich hier nicht auf die Häuser. Im Gegenteil: Am Horizont geht hier schon langsam wieder die Sonne auf.

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