Jameszoo

Fool

Brainfeeder • 2016

Seit Kamasi Washingtons »The Epic«, wabert man im Hause Brainfeeder immer noch in halbgarer Konzeptlosigkeit, welche Wege denn nun zurück zum Tagesgeschäft führen sollen. Während die Veröffentlichungen von IGLOOGHOST und DJ Paypal mit elektronischen Zukunftsmusiken eine willkommene Abwechslung darstellten, wagten sich die Kalifornier mit »Kneedelus« (Kneebody & Daedelus) und »The Beyond/Where The Giants Roam« (Thundercat) bereits wieder an gewohnte Nu-Jazz-Experimente. Auch das schlitzohrige Debüt von Jameszoo steht dessen nur in wenigen Punkten nach. Mit dem selbsternannten Computer Jazz tritt JAmeszoo gegen zwei große Handwerker der Jazz-Geschichte an. Denn »Fool« ist zunächst kaum mehr als das freche Hofieren bei Pianisten-Legende Steve Kuhn und dem brasilianischen Gitarristen Arthur Verocai. So wirken die skizzenhaften Stücke zwischen den beiden Gastauftritten wie nervöse Generalproben. Alles piept, fiept und bleept zwischen programmierten Synthieflächen und hektischem Panorama-Gewander. Mal geht Jameszoo in explorativer Freundlichkeit auf, dann vergisst er sich wieder in albtraumhafter Panik. Immerhin gelingt es Thundercat im ewigen Spiel aus Groove und Ablenkung, einen warmen Pino-Palladino-Bass zu kopieren. Die Klangcollagen sind kantig und kopfig. »Flu« ist dabei der erste Erfolg eines zu Ende gedachten Gefühls. Dafür implizieren Verocai und van Dinther schüchtern einige der größeren Brainfeeder-Momente. Nach der ersten Kür verwirft der NIderländer das Erlernte jedoch wieder und kehrt zum gespenstischen Doom-Jazz zurück. Trotz der Voodoo-Ästhetik, nicken hier und da einige Versatzstücke mit dem Kopf. Mit »The Zoo« lösen sich geliehene Psych-Jazz-Elemente fast zynisch-angenehm auf. Wenn Kuhns Reinterpretation seines eigenen Stücks »Pearlie’s Swine« ausklingt, tobt sich Jameszoo abermals in kosmischer Flächigkeit aus. Nach wütender Distortion und einem 10-sekündigen Snippet, endet »Fool« nicht so naiv, wie es scheint. Der zaghafte Versuch, nach Kamasi Washington der aufregenden Zukunft des Jazz neue Impulse zu verleihen, ist in der Tiefe wesentlich ausgeklügelter.

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