Review

John Cale

M:Fans

Double Six • 2016

Der Tod von Lou Reed zwang seinen Freund John Cale nach eigenem Bekunden dazu, seinen gesamten Aufnahmeprozess zu überdenken. Herausgekommen ist dabei nun neben der remasterten Version des Original-Albums »Music For A New Society« von 1982 diese Rework-Version, die unter dem Namen »M:FANS« erscheint und das eindeutig interessantere Werk ist. Das bisher von John Cale eher stiefmütterlich behandelte Album, dessen Entstehung er trotz des utopisch-positiven Titels als »tortuous« beschrieb, wohl weil er damit eine schmerzliche Trennung verarbeitete, gehört nach wie vor zu seinen besten. Nun bietet es sich natürlich an, einen Track-to-Track-Vergleich anzustellen: Dabei fällt auf, dass die wenigsten Stücke lediglich mit einem etwas anderen Dreh interpretiert werden, der Großteil hingegen nur einen minimalen Wiedererkennungswert mit dem Ausgangsmaterial hat. John Cale unterzieht den Songs einer radikalen elektronischen Umwandlung und schreckt selbst vor Autotune-Einsatz (bei »Thoughtless Kind« und »Close Watch«) nicht zurück. Erstaunlicherweise gelingt es ihm, dabei durchweg unpeinlich und eben nicht nach »Opa spielt jetzt mal ein bisschen mit neuen Gadgets rum« zu klingen. Nach dem doch überraschenden Tod von David Bowie bleibt John Cale also einer der letzten wichtigen, da noch immer relevanten Musiker der 60er/70er-Jahre.