Jorge Ben

Samba Esquema Novo

Doxy • 2014

Es ist offensichtlich kein Zufall, dass Jorge Bens einflussreiches Debütalbum von 1963 gerade zur Fußballweltmeisterschaft 2014 wiederveröffentlicht wird. Mit »Mas Que Nada«, »País Tropical« oder »Chove Chuva« sind zig-mal gecoverte Samba-Klassiker auf dem nur knapp halbstündigen Werk versammelt, die den Stellenwert von »Samba Esquema Novo« unterstreichen dürften. Wie so viele brasilianischen Musiker war Jorge Ben (oder wie er seit 1989 heißt: Jorge Ben Jor) sehr von João Gilberto beeinflusst, hatte aber auch mit seiner Musik selbst großen Einfluss auf die Verschmelzung von traditioneller Samba mit dem eher bourgeoisen Bossa Nova einerseits und westlichen Rock- und Pop-Einflüssen andererseits. Samba als wahre Volksmusik war damals vor allem bei Arbeitern und der Landbevölkerung beliebt, wohingegen Bossa Nova vornehmlich in bürgerlichen Kreisen geschätzt wurde. Somit verband Jorge Ben nicht nur unterschiedliche Musikströmungen, sondern auch ganze Lebenswelten. Dass dieses Unterfangen nicht bei allen ankam und gerade anfangs herbe Kritik provozierte, dürfte klar sein. Exemplarisch wurde Ben mit einem Auftrittsverbot beim Fernsehprogramm »Fino da Bossa« belegt, nachdem er bei der vermeintlichen Konkurrenzsendung »Jovem Guarda« sang. Zugegeben, viele Einflüsse aus Rock und Funk, die in den 1970ern dann zu Samba Rock und der Tropicália-Bewegung führten, kann man hier noch nicht raushören, aber »Samba Esquema Novo« kündete bereits von einer musikalischen Zeitenwende und verortete Brasilien erstmals auf der Weltkarte des Pop.

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