Kennebec

Without Star Or Compass

Night Time Stories • 2022

Eric Phillips nennt sich Kennebec und lebt in Portland, Oregon. Dass das Gras dort grüner, die Wiesen saftiger und die Bäume gesünder sind als in den meisten anderen Teilen der Staaten hört man »Without Star Or Compass« durchaus an. Kennebec entwirft auf seinem zweiten Langspieler Klangbilder, die die Ferne, das Weite, das Suchen und Streifen des Ichs auf dem Weg zur bestmöglichen Selbstfindung vertonen. Das wirkt mitunter kitschig und klingt, als hätte das frühe Justin-Vernon-Projekt DeYarmond Edison einen Song fürs Staffelfinale von »Grey’s Anatomy« beigesteuert (»Leaving The Canyons«, zusammen mit Samuel T. Herring), macht mit seiner überbordenden Emotionalität, die vor allem auf der Melancholie-Klaviatur spielt, aber dennoch vieles richtig. Denn so einfach es ist, sich über ernstgemeinte, gefühlvolle Musik lustig zu machen, so sehr muss man wohl auch zugeben, dass sie im Hinterstübchen doch immer wieder funktioniert. Klar, die Rap-Nummer »Tall Tales« – abermals mit Herring als Hemlock Ernst und, man höre und staune, Sudan Archives – mag mit seinem Backpacker-Gestus nicht jedermanns Sache sein; introspektive Tracks wie »The Great Divide« mit Yazz Ahmeds Jazztrompete, das nach frühen Bonobo-Café-Vibes klingt, oder das kurze »Friendship Song« mit seiner theatralischen Gitarre-Streicher-Dopplung lassen aber doch rührselig in der Vergangenheit schwelgen und gleichzeitig große Pläne für die Zukunft schmieden.

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Kennebec
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